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Geschichte der Loge 'Zur Kette'

Im Zusammenhang mit der Kette-Historie sei auf Akten der Loge Zur Kette verwiesen, die von den Nazis seinerzeit beschlagnahmt wurden und nach verschiedenen Stationen nun im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem lagern.


Unter den Akten - 53 in der Zahl - befinden sich z.B. Protokolle, Jahresberichte, Mitgliederverzeichnisse, Fotos usw.; die Jahreszahlen reichen von 1873 bis 1932. Glanzstück dürfte eine 250-seitige Bilderchronik der Kette über den Ersten Weltkrieg in der Art eines Familienalbums sein.

Ein Bericht wurde im Rahmen der Kette-Schriftenreihe zum 123. Stiftungsfest veröffentlicht.

Ein weiterer Teil der von den Nazis beschlagnahmten Kette-Akten lagert in Moskau und wurde noch nicht erfasst. All diese Unterlagen sind noch nicht ausgewertet.


Obwohl Kurfürst Max III Joseph und Graf Montgelas im ausgehenden 18. Jahrhundert dem Freimaurerbund angehörten, war nach dem Wiener Kongress im tiefkatholischen München liberales, weltoffenes Denken von der Obrigkeit nicht erwünscht. Erst nach 1870 wagten es Freimaurer, die aus anderen deutschen Ländern und aus dem Ausland nach München gekommen waren und hier Fuß gefasst hatten, sich in einem freimaurerischen Kreis zu treffen. Da sie sich nach wie vor mit ihren jeweiligen Mutterlogen eng verbunden fühlten, sahen sie sich als das Münchner Glied der weltweiten Bruderkette an und nannten ihr Kränzchen Kette. 1871 verlieh ihnen die in Frankfurt ansässige Große Loge des eklektischen Bundes die Anerkennung als selbständige Loge. Der Eklektische Bund trat für aufgeklärtes Denken ein, räumte seinen Logen weitgehende Freiheit ein und lehnte jede Art von Okkultismus, Astrologie oder Ritterspielerei kategorisch ab.


Der Münchner Polizei kam jedoch die Unterstellung eines Männerbundes in München unter der Leitung einer im Ausland (Frankfurt) ansässigen Dachorganisation höchst verdächtig vor und machte ihre Zustimmung davon abhängig, dass sich die neue Loge einer in Bayern ansässigen Großloge unterordnen würde. So genehmigte schließlich im April 1873 die Bayreuther Großloge Zur Sonne die Bildung einer neuen Freimaurer-Loge in München und gestattete der Kette bei ihren Arbeiten das so genannte Ficke´sche Ritual zu verwenden. Nach diesem Ritual konnte die Kette - als Ausdruck der Offenheit der Loge für Angehörige aller Religionen - im Tempel statt der Bibel ein 'weißes Buch' auflegen.


Schon bei ihrer Gründung musste also die Kette für ihre Glaubensoffenheit und Liberalität kämpfen. Zum nächsten Eklat kam es 1884, als der Schriftsteller und spätere sozialistische Reichstagsabgeordnete Georg Conrad, (der in Italien zum Meister erhoben worden war und dessen Bürge Garibaldi gewesen sein soll) für die Aufnahme von jüdischen Mitbürgern in die Logen eintrat. Unter dem Druck der Konservativen und Ultramontanen, die es auch in der Freimaurerei gab, ließ man ihn wissen, dass er eine für die vaterländischen Verhältnisse eine höchst überflüssige Kraft sei und dass man seiner Mitarbeit sehr wohl entraten könnte; die Kette gewährte ihm - ein wohl einmaliger Vorgang in der Freimaurerei - eine ehrenhafte Entlassung aus der Loge.


1898 nimmt die Kette den damals erst 29.-jährigen Rechtsanwalt Dr. August Paret als Lehrling auf, der in seinem freimaurerischen Wirken in Deutschland die Wandlung der Königlichen Kunst zu einer humanitären Freimaurerei einleitete. 1905 wird auf sein Betreiben folgender Passus in der Verfassung der Großloge Zur Sonne verankert: 'Der Freimaurerbund kennt als Bruder- und Menschheitsbund keinen Unterschied der Religionen und Konfessionen, der Nationalität und politischen Richtung, auch nicht der Rassen und der Klassen'. Von 1917 bis 1920 war Bruder Paret Großmeister der Großloge Zur Sonne, 1918 versuchte er, durch einen Funkspruch die Freimaurerei der Welt auf die Notlage der deutschen Bevölkerung aufmerksam zu machen. Gerade sein Einsatz für Humanität aber wird ihm von klerikalen und nationalen Kreisen als Vaterlandsverrat angekreidet; die 'Dolchstoßlegende' wird geschürt.


1930 ist Hans Schorer (der allerdings erst 1947 den Weg zur 'Kette' findet) eine der treibenden Kräfte bei der Gründung der Symbolischen Großloge von Deutschland, die sich offen gegen die damals schon sehr ausgeprägte Hetze gegen die Juden wendet. Von den 1933 ausgewanderten Brüdern der Symbolischen Großloge von Deutschland wird das Licht der humanitären Freimaurerei in Palästina über den Zweiten Weltkrieg gerettet.


Als es am 19. Juni 1949 in der Frankfurter Paulskirche unter der Federführung von Bruder Theodor Vogel zur Gründung der Vereinigten Großloge von Deutschland kommt, nehmen von der Kette die Brüder Schorer, Maron, Bittner und Merkel an dieser Feier teil, bei der Bruder Adolf Bünger als einer der wenigen überlebenden Brüder der Symbolischen Großloge von Deutschland das Licht der humanitären Freimaurerei aus Israel nach Deutschland zurückbringt.


Das Fest in der Paulskirche ist ein Meilenstein in der Geschichte der deutschen Freimaurerei. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es, die im Kaiserreich und in der Weimarer Republik noch nebeneinander und z. T. miteinander konkurrierend wirkenden Strömungen in der Freimaurerei in einer humanitär ausgerichteten Vereinigten Großloge zusammenzufassen.


Seit ihrer Gründung im Jahre 1873 bemühte sich die Kette um ein grenzen- und konfessionsübergreifendes Wirken, um eine Einbindung der Brüder in München in die Weltkette der Brüder. Über zwei Generationen lang arbeiteten Brüder der Kette mit an den Konzepten, die nach dem Krieg eine Zusammenführung der humanitären Logen mit den teils national, teils religiös orientierten Bauhütten in Deutschland ermöglichten. Das Symbol der Kette, die verbindet und die Kraftrichtung vorgibt, gibt uns nicht nur den Namen, sondern verpflichtet uns zur gemeinsamen Arbeit beim Bau des Tempels der Humanität.