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Europahymne

Die Überlegung, auf das zur "Europa Hymne" deklarierte Finale der 9.Symphonie von Ludwig van Beethoven einen völkerverbindenden Text zu schreiben, der dem Europa-Gedanken eine geistige Grundlage und damit eine zukünftige Orientierung vermitteln sollte, ist in einer deutschen Freimaurerloge entstanden:

 

Schließt den Bund der Vaterländer,
Gebt Europa Ziel und Sinn
Knüpft der Freundschaft feste Bänder
Über alle Grenzen hin!
Reißt die Vorurteile nieder,
die nur trüben Zeit und Geist!
Alle Menschen werden Brüder,
Wo sich Einigkeit erweist!

 

Schließt den Bund der Menschenherzen
Wider die Vergangenheit!
Allen Irrtum, alle Schmerzen,
Alle Wunden heilt die Zeit!
Wenn wir uns die Hände reichen
Treu zu wahrem Menschentum,
Werden alle Schatten weichen
Zu Europas höh’rem Ruhm!

 

Schließt den Bund der Menschenwürde,
Die man oft mit Füßen trat!
Jeder trag‘ des andern Bürde,
Sei des andern Kamerad!
Hand in Hand laßt uns nun gehen
Und uns schwören diesen Eid:
Leuchtend soll Europa stehen
Als ein Hort der Menschlichkeit!

 

Marcel Valmy
(nach Beethovens >>Freude schöner Götterfunke<<)


In der Münchner Loge 'Zur Kette' wurde seit längerem über die Schwachpunkte und die spirituelle Dürftigkeit diskutiert, mit denen für den Zusammenschluß der europäischen Staatengemeinschaft plädiert wurde, unter ausschließlicher Berücksichtigung ökonomischer und technischer Argumente, also einer Überbetonung rein materieller Perspektiven, die aus reinem Profitdenken zwar vorübergehend, nicht aber auf Dauer und schon gar nicht in wirtschaftlichen Krisenzeiten den Gedanken einer europäischen Schicksalsgemeinschaft wachhalten können.

Ein Vergleich unserer Epoche mit der einstigen mittelalterlichen Idee des "Christlichen Abendlandes", das in der Tat unter den damaligen Europäern trotz aller Kontroversen ein nie wieder erreichtes Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugt hatte – denken wir nur an die Kreuzzüge - stellt uns Zeitgenossen kein
besonders gutes Zeugnis aus.

Einzelstaatlicher Egoismus, noch immer von vorrangigem Patriotismus inspiriert, wenn nicht gar von latentem Chauvinismus, schafft kein geistiges Band für ein fundiertes Gemeinschaftsgefühl.

Nur wenn wir , die wir im Verlauf unserer Geschichte alle schuldig geworden sind, unterschiedslos und objektiv die Karten des politischen Ränkespiels der Vergangenheit auf den Tisch legen und uns im Bewußtsein echter Schicksalsverbundenheit – nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene – zu einem gemeinsamen Neuanfang bekennen, schaffen wir überhaupt erst die Voraussetzung für ein europäisches Gemeinschaftsgefühl!

Es war von jeher so: Bevor man etwas realisiert, muß ein geistiges Urbild dessen geschaffen werden, was realisiert werden soll! Machen wir uns trotz gelegentlicher euphorischer Beschwörungen nichts vor: Der Weg zu einem wirklich vereinigten Europa wird noch lang und dornenreich sein; doch zuallererst muß er geistig beschritten werden!

Der Text, der alle Fehler, aber auch alle Tugenden des europäischen Geistes ansprechen will, soll jedes einzelne Individuum auf dieses erst allmählich zu erweckende europäische Bewußtsein vorbereiten.

Im Juni 1994 wurde die deutsche Fassung ‚Schließt den Bund der Vaterländer‘ niedergeschrieben,

auf Anregung eines Straßburger Freimaurerfreundes dann im Herbst des gleichen Jahres vom Autor die französische Version ‚Faites l’union de nos patries‘. Die Uraufführung der deutschen Fassung fand dann – welch viel- versprechendes Symbol! – am 2. September 1995 in der Wiener Hofburg statt, an jenem Ort also, von dem aus unter einer weitverzweigten Dynastie immerhin schon einmal ein längst zerstörtes ‚Klein- Europa‘ geschaffen worden war.

Am 27. April 1996 wurde die Hymne in der Münchner Universität in Anwesenheit des Bundespräsidenten erstmals dem deutschen Publikum präsentiert. Unterdessen liegen von dem Text sieben verschiedene Sprachversionen vor sowie eine Bandaufnahme, deutscher und französischer Sologesang mit Chor.