FREIMAURERLOGE "AUGUSTA ZUM GOLDENEN ZIRKEL"
Die Loge "Zum goldenen Zirkel"

Aus einer starken Abneigung gegen die sehr veräußerlichte Lehr­art der „Strikten Observanz” und aufgrund der Tatsache, daß deren Führer das propagierte und angestrebte Ziel - die Wieder­erweckung des weltlichen Teiles des ehemaligen Templerordens mit Macht und Reichtum für die Mitglieder - offensichtlich nicht erreichen konnten, entstand nach 1770 in der deutschen Frei­maurerei unter Führung des Generalarztes von Zinnendorf eine Gegenbewegung zur „Strikten Observanz”, um die ursprünglichen Ziele der Freimaurerei von 1717 wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Dieses führte schließlich 1770 zur Gründung der „Großen Landesloge” in Berlin.

Aus dieser Opposition heraus wird in Göttingen am 08. Juli 1773 von der Kasseler Loge „Friedrich zur Freundschaft” durch den Rittmeister Georg Gottlieb Maximilian von Hammerstein und dem Fähnrich beim Infanterieregiment Sachsen-Gotha, ab 1775 Leut­nant beim Zastrowschen Regiment in Göttingen, Johann Heinrich Christoph Meyer, eine neue Loge gegründet.

Da diese Gründung aber irregulär erscheint, wird die Loge von dem neu gewählten Meister vom Stuhl Arnold Heinrich Nicolaus Behm - Leutnant beim gleichen Regiment wie Meyer - der Gros­sen Landesloge in Berlin zugeführt und erhält von dieser am
30. November 1774 die Stiftungsurkunde, datiert auf den 10. Ju­ni 1774. Nach dieser Urkunde erhält die neue Loge die Nummer 24 und den Namen „Au Compas d’Or” („Zum goldenen Zirkel”).


Die Arbeiten der neuen Loge finden bis 1790 im Hinterhaus des Schminkeschen Grundstückes am Johanniskirchhof 3 / Ecke Paulinerstraße statt (s. Übersicht „Logenhäuser”), dem späteren Gasthaus „Göttinger Hof”, das zuerst als Organisten- und Totengräberwohnung der St. Johannisgemeinde diente und ab 1783 eine Schreibschule beherbergte, bevor es dann 1785 von Schminke erworben wurde.

Die Loge „Zum goldenen Zirkel” erkennt die Loge „Augusta zu den drei Flammen” zunächst nicht als gerechte Loge an, wobei die unausbleibliche Rivalität sich fast nur auf die Verschieden­artigkeit der beiden Lehrsysteme begründet.

Doch bald werden die Spannungen durch gegenseitiges Tole­rieren abgebaut und nachdem die Loge „Augusta zu den drei Flammen” sich zunehmend von der „Strikten Observanz” distanziert, beginnen ab 1780 die ersten gegenseitigen Besuche.


Schließlich benutzen beide Göttinger Logen ab 24. Juni 1790 für ihre Arbeiten gemeinsam das von der „Augusta zu den drei Flammen” erworbene Haus in Wackers Garten, wofür die Loge „Zum gol­denen Zirkel” eine jährliche Miete von 52 Talern ent­richtete (s. Übersicht „Logenhäuser”).

In der neuen Göttinger Bauhütte entfaltet sich ein reiches, frisches Geistesleben, denn auch hier besteht die Mehrzahl der Mitglieder aus Studenten und jungen Doktoren, daneben Beamte, Militär­per­­sonen, Ärzte und Juristen/Advokaten, darunter auch der Stadt­sekretär und spätere Bürgermeister Tuckermann. Der Anteil der Professoren, Hofräte, Kaufleute und Weinhändler ist hingegen gering. Insgesamt scheint die neu errichtete Loge „Zum goldenen Zirkel” mehr den Geist des damaligen jungen Göttingen repräsentiert zu haben als die Loge „Augusta zu den drei Flammen”. Dafür spricht, daß auch viele Mitglieder und Freunde des Göt­tinger Dichterbundes, auch Hainbund genannt, der neuen Loge angehören: Johann Matthias Miller, Romancier und Liedermacher sowie ab 1781 Professor in Ulm, der Dichter Gottfried August Bürger, lange Zeit Redner der Loge, Christian Adolf Overbeck, lyrischer Dichter (Lied: „Komm lieber Mai und mache ...”) und späterer Präsident des Obergerichtes in Lübeck.



Außer den Hainbündlern sind in der Loge noch zahlreiche an­dere berühmte Persönlichkeiten tätig. So wird am 10.03.1779
ein junger Fähnrich im Dragonerregiment von Estorff der Garnison Northeim aufgenommen, der später einen großen Namen in der Geschichte bekommen sollte, nämlich Gerhard David von Scharnhorst.
Nach Behm übernimmt 1783 der Garnisonsmedicus und Privatdozent der Medizin Johann Heinrich Jäger im Alter von 31 Jahren das Amt des Meisters vom Stuhl und behält es bis 1793, denn auch die Loge „Zum goldenen Zirkel” muß nach 20-jähriger wirkungsvoller Arbeit ihre Tätigkeit im November 1793 aufgrund des behördlichen Logenverbotes einstellen.

Die Loge läßt danach ihr beträchtliches Vermögen durch einige ältere Brüder verwalten, um dann später das verbliebene Kapital wie folgt zu verschenken: 1.400 Taler erhält die Göttinger Indus­trieschule, 500 Taler gehen an die städtische Armenkasse und 100 Taler sollen solange in Verwahrung für die Beschaffung von Einrichtungsgegenständen bleiben, bis entweder das Logenverbot für Göttingen aufgehoben wird oder aber die Möglichkeit zu der Neugründung einer Loge gegeben ist.

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