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Die Freimaurerloge "Carl zur gekrönten Säule"

Die Freimaurerei ist eine in fast allen nichttotalitären Staaten verbreitete Bewegung, die eine humanitäre Geisteshaltung vertritt und ihre gesellschaftliche Aufgabe darin sieht, den Menschen eine Lebenseinstellung zu vermitteln, die die Entfaltung ihrer ethischen und denkerischen Anlagen ermöglicht. Sie entstand aus der alten englischen Werkmaurerei der Baumeister. In ihrem Wachsen nahmen esoterische und philosophische Motive allmählich die Stelle der ursprünglichen Berufsthematik ein, wobei ihre aus dem Mittelalter stammende Symbolik heute noch in ritueller Weise gepflegt wird. Die erste Großloge wurde 1717 in London gegründet und schon 1737 entstand in Hamburg die erste deutsche Großloge.

    Unsere Loge ‚Carl zur gekrönten Säule’ wurde 1744 als eine der frühesten Logen in Deutschland gegründet. Ihr Name verweist auf den derzeit regierenden Herzog Carl I. von Braunschweig, der – obzwar nicht Freimaurer – sich der Gründung und des Bestehens der Loge sehr angelegentlich widmete. Die in unserem Bijou, dem Logenabzeichen, abgebildete ionische Säule mit der Fürstenkrone und dem ligierten doppelten ‚C’ auf dem Sockel drückt noch immer die Dankbarkeit gegenüber dem herzoglichen Protektor aus.
    Zu dieser Zeit war das gesellschaftliche Leben in der Residenz Braunschweig dominiert von dem welfischen Fürstenhaus. Wie sehr unsere Loge Spiegel und mittragendes Element dieser Oberschicht war, wird darin erkennbar, dass drei Fürsten des Braunschweiger Hofes als Mitglieder und leitende Persönlichkeiten die Geschichte unserer Loge mitschrieben: Prinz Albrecht, Herzog Ferdinand und Herzog Leopold von Braunschweig, der die Ideale der Freimaurerei, Menschenliebe und Hilfsbereitschaft, auf bewegende Weise dokumentierte, indem er bei der Rettung von Bürgern in Wassersnot sein junges Leben opferte.


    In der neuen Zeit des aufstrebenden Bürgertums geriet unsere Loge in das Interesse der großbürgerlichen Gesellschaft, die besonders von der Weltoffenheit und der liberalen Weltanschauung der Freimaurer angezogen wurden. Bekannte Braunschweiger Persönlichkeiten aus Industrie und Finanzwesen wie Hugo Luther, Max Jüdel, Ernst Amme und Julius Konegen, aber auch Wissenschaftler wie Nehrkorn und Komponisten wie Franz Abt traten unserer Gemeinschaft bei.
    Der Erste Weltkrieg und die folgenden Jahre der Depression gingen nicht spurlos an unserer Loge ‚Carl’ vorbei. Ihre gesamten mildtätigen Stiftungen für bedürftige Menschen in Braunschweig wurden von der Inflation vernichtet: Ein Lehrinstitut für Knaben, die Keimzelle der heutigen Hochschule für Bildende Künste, ein Witwen- und Waiseninstitut, eine Schwesternhilfe, eine ‚Speisenanstalt für dürftige Reconvaleszenten’ und andere. Der schwerste Schlag jedoch, der unsere Loge traf, war nach der Etablierung des NS-Unrechtsstaates das Verbot aller Freimaurerlogen in Deutschland. Eine Staatsdemagogie, die die politische und intellektuelle Gleichschaltung aller Bürger anstrebte, konnte sich keine Vereinigung leisten, die als höchstes Gut des Menschen seine Gewissensfreiheit pries.


    Der zweite große Krieg war wohl das einschneidendste Ereignis, das die Loge während ihres Bestehens traf. Danach waren die Brüder zerstreut, in Gefangenschaft oder gefallen. Und doch bot wenigstens das Ende der NS-Herrschaft die Möglichkeit für einen Neubeginn unserer Loge. Er war schwierig genug, denn 1945 war jeder Neubeginn von unzähligen Hemmnissen behindert. Zunächst hatte die britische Militärregierung jegliche Verbandstätigkeit verboten. Auf etliche Gesuche und Eingaben folgend, war unserer Loge ab Mitte Oktober 1945 von der Militäradministration wenigstens die Erlaubnis erteilt worden zusammenzutreten. Die Erlaubnis zur Ritualarbeit erhielt sie erst 1947.
Schwierig war auch die Raumfrage zu bewältigen, so dass man sich anfangs mit einer studentischen Verbindung einige Zimmer teilen musste.


Die Lage normalisierte sich 1953, als unserer und den zwei ebenfalls in Braunschweig arbeitenden Logen ein von der NS ehemals konfisziertes Logenhaus als Wiedergutmachung übertragen wurde. So teilen sich nun drei Logen, freundschaftlich und brüderlich vereint in einem Hausverein, die Nutzung des Logenhauses ‚Haus der Bruderschaft’ am Löwenwall 9.
    Auf die über zehn Jahre andauernden Angriffe und Verleumdungen der NS-Machthaber, die in so genannten ‚aufklärenden Ausstellungen’ der Freimaurerei unsägliche Verbrechen unterstellten, antwortete unsere Loge 1963 mit einer Ausstellung im Städtischen Museum, in der sie mit Schriften, Dokumenten und flankierender Öffentlichkeitsarbeit das wahre Gesicht der Freimaurerei vorstellen konnte. Diese zu jener Zeit noch ungewöhnliche Offenlegung freimaurerischer Geisteshaltung fand in ganz Westdeutschland Aufmerksamkeit.


    Am 12.Februar 1994, zum genauen Termin der Gründung, feierte die Loge ihr 250. Stiftungsfest unter großer Anteilnahme vieler Repräsentanten aus Logen und Großlogen des In- und Auslandes und Vertretern der Öffentlichkeit.
    Unsere Loge ‚Carl zur gekrönten Säule’ hat sich seit jeher der Stadt und Gesellschaft Braunschweigs verbunden gefühlt; sie ist ja ein Teil davon. In ihrer langen Geschichte hat sie getreu der Devise auf ihrem Logensiegel ADHUC STAT (Noch immer besteht sie (die Säule)) ihre Identität und ihre Ideale bewahren können. Wer sich mit unseren ethischen Zielen Humanität, Vorurteilslosigkeit und Brüderlichkeit einverstanden erklären kann, wird sich sicherlich in unserer Gemeinschaft wohlfühlen können.
Gerade in der heutigen Zeit, die von materiellem Streben, vom rücksichtslosen Kampf um Macht und Besitz geprägt ist, bietet die Freimaurerei einen Raum, in dem sich Gleichgesinnte finden, die die für die Menschheit unverzichtbaren Werte Toleranz – Brüderlichkeit – Humanität bewahren.