Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD)

Auf Entdeckungsreise durch freimaurerische Gärten und Parks

Belvedere im Hinüberschen Garten. Quelle: Salier Verlag/Siegfried Schildmacher

Auf Entdeckungsreise durch freimaurerische Gärten und Parks

Von Bastian Salier und Siegfried Schildmacher

Interview mit dem Autor und Freimaurerforscher Br. Siegfried Schildmacher

Die Erforschung und Entdeckung freimaurerisch inspirierter Gartenanlagen und -Parks sind ein recht junges Forschungsgebiet, das aber zurzeit von sehr starkem Interesse ist. In den vergangenen Jahren sind verschiedene Publikationen dazu entstanden, meist historische Beschreibungen einzelner Anlagen, bei denen ein freimaurerischer Hintergrund vermutet wird. Eine Publikation aus dem Jahr 2020 ragt jedoch aus der Fülle des Materials heraus. Zum einen wegen ihrer sehr sorgfältigen Auswahl der Beiträge, ihres Überblickscharakter, ihrer grundlegenden fachlichen Einordnung und ihrer opulenten Aufmachung. Br. Siegfried Schildmacher, Mitglied der Loge „Friedrich zum weißen Pferde“ in Hannover, ist der Herausgeber des Bandes „Die Geheimnisse freimaurerischer Landschaftsparks“. Darin enthalten sind maßgebende Beiträge etwa von Adrian von Buttlar zu den freimaurerischen Aspekten in der Gartenkunst des 18. Jahrhunderts oder von Romy Panier zur Freimaurersymbolik im Landschaftsgarten. Aber auch monografische Beiträge, die sich etwa mit dem Hinüberschen Garten in Hannover-Marienwerder, dem Schlosspark zu Machern bei Leipzig, dem Neuen Garten in Potsdam oder Schloss Richmond bei Braunschweig beschäftigen. Basis war ein Symposium im Jahre 2015 der Forschungsloge Quatuor Coronati, die das Erscheinen des Buches maßgeblich gefördert hat.

Die „Humanität“ sprach mit dem Herausgeber Br. Siegfried Schildmacher, der selbst auch Autor einiger Beiträge im Buch ist.

Humanität: Lieber Br. Siegfried, welcher freimaurerische Landschaftspark hat es Dir persönlich besonders angetan, wo spazierst Du am liebsten?

Br. Siegfried Schildmacher: Der Hinübersche Garten in Hannover-Marienwerder wurde als Freimaurergarten von Peter Krüger, Hartmut von Hinüber und mir 2011 entdeckt. Seitdem mache ich jedes Jahr mehr als ein Dutzend öffentliche Führungen, die sehr gut besucht sind und mir die Möglichkeit bieten, die Freimaurerei konkret einem profanen Publikum vorzustellen. Einige Teilnehmer sind von der Freimaurerei so angetan, dass sie anschließend unsere monatlichen Gästeabende besuchen.

In enger Kooperation mit dem Fachbereich „Umwelt und Stadtgrün“ der hannoverschen Stadtverwaltung ist es uns gelungen, den im Garten dargestellten Initiationsweg vom Lehrling bis zum Meister wieder sichtbar zu machen.

Woran erkennt man überhaupt einen freimaurerisch inspirierten oder angelegten Garten?

Professor Adrian von Buttlar, der selbst kein Freimaurer ist, hat 1982 in seiner Dissertation „Der englische Landsitz 1515—1760“ als erster den Einfluss der Freimaurerei auf die Gestaltung von englischen Landschaftsparks offengelegt. Er hat in einem Seminar der Forschungsloge „Quatuor Coronati“ in Hannover 2015 dargelegt, nach welchen Kriterien man einen Landschaftspark als Freimaurerpark einstufen kann: Der Eigentümer oder der Gartenarchitekt muss Freimaurer gewesen sein, symbolische Grundrisse müssen erkennbar sein, allegorische Figuren müssen im Garten aufgestellt sein, emblematische Gartenbauten, Inschriften und Widmungen müssen freimaurerisch geprägt sein und metaphorische Wegeführungen, die sich als Lebens-, Prüfungs- und Erkenntniswege interpretieren lassen, müssen vorhanden sein.

Besteht nicht die Gefahr — wie so häufig in der Freimaurerei —, dass da gerne auch mal etwas überinterpretiert wird, wenn der Wunsch zum Vater des Gedankens wird?

Wenn alle Kriterien, die Adrian von Buttlar aufgeführt hat, in einem Landschaftspark erfüllt werden, ist ausgeschlossen, dass es zu einer Fehlinterpretation kommt. Viele Landschaftsparks erfüllen aber nicht alle Kriterien. In diesen Fällen besteht in der Tat die Gefahr einer Überinterpretation, die nur durch wissenschaftliche Forschung ausgeschlossen werden kann.

Landschaft verändert sich, Gärten verändern sich: Wo heute drei Bäume stehen, gibt es in dreißig Jahren ein kleines Wäldchen. Wie kann man heute noch sicher nachweisen, welche Anlagen tatsächlich freimaurerisch inspiriert waren?

Viele Parkanlagen erfahren im Laufe von 200 bis 300 Jahren Veränderungen durch Eingriffe in die ursprüngliche Planung. Deshalb sind zur Interpretation dieser Gärten Dokumente aus der Gründungszeit des Landschaftsparks erforderlich, die den ursprünglichen Zustand des Parks abbilden.
Es darf aber auch nicht vergessen werden, dass sich die Freimaurerei im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Gerade im 18. Jahrhundert gab es viele unterschiedliche Richtungen in der Freimaurerei, die man als Forscher kennen muss, um Staffagen in einem Garten richtig einzuordnen. Beispielhaft seien an dieser Stelle nur die „Strikte Observanz“, die „Asiatischen Brüder“, die „Afrikanischen Bauherren“ und die „Gold und Rosenkreuzer“ genannt.

Wann war die Blütezeit dieser Gärten und wo sind sie vorrangig zu finden?

Die ersten Landschaftsgärten wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts in England geschaffen. Es dauerte fast ein halbes Jahrhundert, bis sich auf dem Kontinent der englische Garten gegenüber dem vorher herrschenden Barockgarten durchsetzte. In Deutschland, Frankreich, Holland und Österreich wurden ungefähr ab 1760 englische Gärten angelegt. Im 19. Jahrhundert wurden zwar noch englische Landschaftsgärten eingerichtet, aber ein freimaurerischer Bezug ist nicht mehr herstellbar. Die Erdpyramide im Landschaftsgarten Branitz des Fürsten Pückler hat zum Beispiel keinen freimaurerischen Bezug.

Welche Symbolik, welche Bauten waren besonders beliebt bei den freimaurerischen Gartengestaltern?

Die Wurzeln der Freimaurerei reichen bis zum Wissen der alten ägyptischen Priesterkaste zurück. Das Museum August Kestner in Hannover hat 2017 eine Ausstellung mit dem Titel „O Isis und Osiris — Ägyptens Mysterien und die Freimaurerei“ veranstaltet und dazu einen über 500-seitigen Katalog herausgegeben, der dieses Thema erstmals umfassend behandelt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es in Europa ein starkes Interesse an Ägypten auch bei den Freimaurern. Deshalb findet man in freimaurerischen Gärten oft Pyramiden, Obelisken, Tempel im ägyptischen Stil, Sphingen und Statuen mit ägyptischen Gottheiten.

In Anlehnung an die griechische und römische Architektur, die durch den italienischen Renaissance-Baumeister Andrea Palladio (1508–1580) wieder in das Bewusstsein der europäischen Architekten und Bauherren gebracht wurde, findet man in den Landschaftsgärten Tempel in Form des Monopterus als Weisheitstempel, Tempel, die dem römischen Pantheon nachempfunden wurden, palladianische Brücken und andere Bauwerke der Antike. Türme, Ruinen, Grotten und Einsiedeleien findet man ebenfalls häufig in freimaurerischen Gärten.

Was hat die Besitzer veranlasst, Gärten mit freimaurerischen Erkenntnispfaden und Symbolik auszustatten, wurden hier zum Beispiel auch regelrecht Logen inszeniert?

In einigen freimaurerischen Gärten wurden auch Tempelarbeiten abgehalten. Im Turm des Freimaurergartens Louisenlund wurden nach der Überlieferung auch Logenarbeiten abgehalten. Im Hinüberschen Garten in Hannover befindet sich zum Beispiel ein Initiationspfad, der den Lauf eines Freimaurers vom Lehrling (Arbeit am rauen Stein) über den Gesellen (Arbeit am Tempel der Humanität) bis zum Meistergrad (Erkenntnis über den Tod des Menschen) abbildet. Die Eremitage im Landschaftspark Spiegelberge wurde vermutlich auch zu rituellen Zwecken benutzt, denn es befindet sich neben dem Logenraum auch eine dunkle Kammer.

In Deinem Buch gibt es neben grundlegenden Beiträgen zum Forschungsthema Beschreibungen einiger wichtiger Freimaurergärten. Einige bekannte fehlen jedoch. Wie ist die Auswahl der Beiträge zustande gekommen?

Für das QC-Seminar im Jahre 2015, von dem ich sprach, wurden Referenten ausgewählt, die Landschaftsgärten entdeckt hatten, die als Freimaurergärten noch nie beschrieben worden waren. Wer kennt schon die Freimaurergärten in Meinbrexen in der Nähe von Höxter, Spiegelsberge bei Halberstadt, den Schlosspark Riede bei Kassel, Schloss und Garten Richmond in Braunschweig oder den Laveskulturpfad in Holle-Derneburg? In dem Buch „Die Geheimnisse freimaurerischer Landschaftsparks“ sollten die neusten Forschungsergebnisse dargestellt werden und Freimaurer ermuntert werden, selbst in ihrer Heimat nach Landschaftsparks mit freimaurerischem Bezug zu forschen. Der „Neue Garten in Potsdam“, der schon von Berit Ruge beschrieben worden war, wurde nur aufgenommen als Beispiel für freimaurerähnliche Vereinigungen wie die „Gold und Rosenkreuzer“.

Man kann das Buch sehr gut als Reiseführer nutzen und sich inspirieren lassen, welcher Park empfiehlt sich gerade jetzt im Herbst für einen Besuch?

Das Buch kann durchaus als Reiseführer benutzt werden. Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass der Garten in Meinbrexen nicht öffentlich zugänglich ist, aber man kann die Schlossherrin (von Mansberg) um eine Führung bitten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Buchtipp:

Siegfried Schildmacher (Hrsg.)
Die Geheimnisse freimaurerischer Landschaftsparks

ISBN 978-3-943539-88-2
Salier Verlag, Leipzig, 2020
Hardcover, 304 Seiten, 21 x 24 cm
reich bebildert und durchgehend farbig
Preis: EUR 39,90

Siehe: https://www.freimaurerei.de/die-geheimnisse-freimaurerischer-landschaftsparks/

Dieser Beitrag stammt aus dem Heft 5-2020 der HUMANITÄT, dem deutschen Freimaurer-Magazin. Das Heft kann bei der Kanzlei abonniert werden.