Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD)

Bewahren Sie weiterhin Zuversicht und Gelassenheit

© fotyma / envatoelements

„In der Krise beweist sich der Charakter.“ Dieses Zitat unseres Alt-Kanzlers Helmut Schmidt, dem unsere Großloge im Januar 2015 die Gustav-Stresemann-Medaille verlieh, stellte ich meinem Grußwort an gleicher Stelle im Jahr 2020 voran.

Für 2021 möchte ich das oben stehende Zitat belassen. Die Pandemie, die Krise, ist noch nicht überwunden. Insgesamt könnte die Lage deutlich günstiger sein. Seit ca. 22 Monaten plagt uns Covid-19. Wir beweisen Geduld, üben Verzicht, stehen Ängste aus. Wir haben viele Diskussionen zur Pandemie wahrgenommen, sachgerechte und zeitnahe Handlungen vermissten wir gelegentlich. Wir haben uns über die Impfungen gefreut und auf das baldige Ende der Pandemie gehofft. Leider war die Einsicht Abstand zu halten, die Hygieneregeln zu befolgen, sich impfen zu lassen, Maske zu tragen usw. nicht bei jedem gegeben. Wir sind in etwa wieder da, wo wir bereits vor einem Jahr schon einmal waren. Wir könnten doch so viel weiter sein.

Im Vergleich zur vorweihnachtlichen Situation vor einem Jahr stellt sich die derzeitige Lage jedoch meines Erachtens günstiger dar: Es gibt geeignete Impfstoffe, wenngleich zunehmend sogenannte Impfdurchbrüche zu beobachten sind und sich unterschiedliche Coronamutationen zeigen. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in der Bundesrepublik sind bereits geimpft. Die Impfung ist und bleibt der beste Weg aus der Pandemie. Es liegen Medikamente vor und auch hier bleibt die Entwicklung nicht stehen. Es ist sehr zu wünschen, dass die Überlastung der Krankenhäuser, insbesondere die der Ärzteschaft und des Pflegepersonals, zeitnah eine rückläufige Entwicklung erkennen lässt. Ich wiederhole bewusst: Wir könnten doch so viel weiter sein.

In den letzten Jahrhunderten gab es deutlich schlimmere Anlässe für weitgehend präsenzlose Zeiten. Dessen sollten wir uns bewusst sein. Am Ende bleiben wir doch im Herzen vereint. Der Umstand „Zeit ohne Körperkontakt“, verbunden mit einer längeren „Ritualpause“, sollte in Anbetracht unserer mehr als dreihundertjährigen Geschichte eher nachrangig bewertet werden.

Dr. Stephan Roth-Kleyer

Ich hoffe, dass Sie und die Ihren gesund und den Umständen entsprechend gut durch diese außergewöhnliche Zeit gekommen sind. Es sind nur noch wenige Tage bis Weihnachten und bis zum Jahreswechsel. Weihnachten steht vor der Tür. Es ist die Zeit, sich gemeinsam Zeit zu nehmen. Zeit füreinander, für ein gutes Gespräch, für besinnliche Stunden in der Weihnachtszeit. Es ist die Zeit zum Innehalten. Es ist auch die Zeit, um das nahezu vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Es ist die Zeit, um Ziele und Vorhaben für das kommende Jahr zu überdenken, um dem Neuen Jahr hoffnungsfroh entgegenzusehen, um das Neue Jahr mit all den möglichen Herausforderungen willkommen zu heißen.

Diese Corona-Pandemie wird in die Menschheitsgeschichte eingehen. Alle Lebensbereiche waren und sind betroffen, auch die Freimaurerei: Viele Logen, viele Brüder hielten, da nur wenige Präsenzveranstaltungen möglich waren, online Kontakt. Neue und bisher wenig vertraute Kommunikationstechniken hielten in den Logen, in den Distrikten und in der Großloge Einzug. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Video- oder Telefonkonferenzen ein gutes Instrument sein können, wenn sich eher kleine Gruppen zu wenigen und konkreten Themen austauschen. Es ist ermutigend zu sehen, wie Brüder sich mit ihnen teilweise bislang unbekannten Technologien arrangieren, die es ermöglichen, virtuelle Treffen, Gästeabende, Kerzengespräche und vieles mehr zu gestalten, um auch auf Distanz diese Treffen gemeinsam zu erleben und in Kontakt zu bleiben. Das zeigt, wie schnell und pragmatisch unsere Bruderschaft auf veränderte Bedingungen reagieren kann. Jeder, der schon einmal an einer Videokonferenz teilgenommen hat, weiß, dass es ein gutes Gefühl ist, seinen Gesprächspartner im Vergleich zum Telefonat auch zu sehen. Dennoch, eine noch so gut arrangierte Videokonferenz kann uns einen gewohnten Logenalltag nicht ersetzen. Brüderliche Nähe ist leider nur bedingt videokompatibel.

Wir haben viel Erfahrungen und Kenntnisse mit Online-Veranstaltungen sammeln können. Wir haben deutlich dazu lernen können bzw. müssen. Die Brüder sollten auch weiterhin aktiv bleiben, den Kontakt untereinander aufrecht erhalten oder gar intensivieren.

Zurzeit liegt der Fokus darauf, miteinander über die vielfältigen Möglichkeiten der analogen und digitalen Kommunikation verbunden zu bleiben. Und das machen die Brüder auch. Sie halten den Kontakt mit älteren und kranken Brüdern und Schwestern sowie denjenigen von uns, die unter Quarantäne stehen. Die Brüder fragen, wo Hilfe geleistet werden kann. Sie erledigen z. B. Einkäufe, damit ältere Brüder und deren Lebenspartner*innen oder Witwen nicht unnötig dem Risiko einer Ansteckung ausgesetzt werden. Die Bruderschaft hält miteinander Kontakt. Das kann das persönliche Gespräch am Telefon sein. Es kann der persönliche Brief sein. Möglichkeiten der Kommunikation haben wir hinreichend. Wir sollten alle Formen der Kommunikation nutzen. Und das können wir, das zeigen die letzten Monate. Jede unserer 284 Logen hat in den vergangenen ca. 22 Monaten aufgrund ihrer eigenen spezifischen Situation und der eigenen Erfordernisse individuelle Möglichkeiten der Kontaktpflege erarbeitet und sich zu eigen gemacht. Diese sind weiter zu entwickeln und ggf. um noch nicht genutzte Möglichkeiten zu ergänzen, um die Bruderkette stark und stabil zu halten. Lasst uns gerade in diesen Zeiten die „Bruderkette“ noch fester schließen. Diese Bruderkette hat in schwieriger Zeit Vorrang vor der Geselligkeit in Präsenz. Auch hier ist Beharrlichkeit gefragt.

In den letzten Jahrhunderten gab es deutlich schlimmere Anlässe für weitgehend präsenzlose Zeiten. Dessen sollten wir uns bewusst sein. Am Ende bleiben wir doch im Herzen vereint. Der Umstand „Zeit ohne Körperkontakt“, verbunden mit einer längeren „Ritualpause“, sollte in Anbetracht unserer mehr als dreihundertjährigen Geschichte eher nachrangig bewertet werden

Dr. Stephan Roth-Kleyer

Des Öfteren kam der Wunsch auf, die Rituale in eine videokonforme Form zu bringen. Unsere Rituale sind, wie schon häufig festgestellt, unser Alleinstellungsmerkmal, unser wahres Geheimnis, unsere Würde. Sie spiegeln unsere anerkannten spezifischen maurerischen Verhaltensformen und Gebräuche wider. Sie stiften Gemeinschaftsgefühl und vermitteln uns jedes Mal erneut die Grundpfeiler der “Königlichen Kunst”. Unsere Rituale erfordern Präsenz und Anteilnahme. Ihr Zauber entfaltet sich im Moment ihrer Durchführung und ist nur persönlich erlebbar. Auch hier braucht es Geduld und Zuversicht. Wir lernen mit der Pandemie umzugehen, die Kontaktbeschränkungen sind nicht mehr so massiv wie bei den vorhergehenden drei „Wellen“. Zudem geht es mit den Impfungen voran, wenn auch noch verhalten. Unter Beschränkungen lassen die regional unterschiedlichen Vorgaben Zusammenkünfte zu. An dieser Stelle gilt mein Dank ausdrücklich unseren „Corona-Beauftragten“ für die Unterstützung unserer Logen und Brüder. Unsere Logen sollten sich innerhalb dieser Grenzen, ggf. nach Rücksprache mit den Coronabeauftragten, praktikable Möglichkeiten für Zusammenkünfte suchen. Goethe formulierte es wie folgt: „Wer Großes will, muss sich zusammenraffen. In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister, und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.“ Wir werden, da bin ich mir sicher, in absehbarer Zeit unsere Rituale wieder gemeinsam in Präsenz veranstalten und erleben können.

In den letzten Jahrhunderten gab es deutlich schlimmere Anlässe für weitgehend präsenzlose Zeiten. Dessen sollten wir uns bewusst sein. Am Ende bleiben wir doch im Herzen vereint. Der Umstand „Zeit ohne Körperkontakt“, verbunden mit einer längeren „Ritualpause“, sollte in Anbetracht unserer mehr als dreihundertjährigen Geschichte eher nachrangig bewertet werden.

Corona zeigte auch positive Entwicklungen. So berichten zahlreiche unserer Logen, dass viele Interessierte den Kontakt zu den Logen suchen. Und in den schwierigen Zeiten des „Lockdowns“ achten und sorgen Brüder in beispielhafter Weise verstärkt füreinander, das führte ich bereits aus.

Die Jahreswende ist auch die Zeit, Dank auszusprechen. So danke ich allen Brüdern in ihren Logen für ihr gutes Wirken und ihr Engagement. Ich danke den Stuhlmeistern für die Fort- und Weiterentwicklung unserer Logen. Ich danke den Arbeitskreisen, Ausschüssen, Gremien und Kollegien unserer Großloge für ihre Arbeitsergebnisse. Ich danke den Großbeamten und Mitgliedern des Großlogenrates sowie den Mitgliedern des Vorstandes für ihre guten und zielführenden Beschlüsse auf solider Basis und ich danke nicht zuletzt unserer Kanzlei für die kontinuierliche Bearbeitung der Anfragen und Arbeitsaufträge aus der Bruderschaft sowie für ihre stete Unterstützung bei all meinen Aktivitäten.

Jetzt heißt es, weiterhin durchzuhalten und Geduld, Beharrlichkeit und Gelassenheit aufzubringen. Es heißt Geduld zu haben mit der Situation, Geduld mit anderen und Geduld mit uns selbst. Das ist eine charakterbildende und zugleich herausfordernde Konstellation. Ich wünsche uns allen viel Erfolg dabei. Kommen Sie gut durch diese Zeit mit Einschränkungen, bleiben Sie gesund und solidarisch! Verlieren Sie nicht Ihre Zuversicht und Ihre Gelassenheit!

Weiterhin müssen wir die Herausforderungen, die Welt von morgen positiver, sicherer, gerechter und gesünder zu gestalten, mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten annehmen. Dieses Ziel lässt sich im Großen wie im Kleinen nur erreichen, wenn sich jeder nach seinen Möglichkeiten mit guten Ideen, mit Beharrlichkeit und mit hinreichend Engagement einbringt.

Ihnen allen, Ihren Familien und Freunden wünsche ich trotz der gegebenen Situation ein besinnliches und stimmungsvolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein privat wie beruflich erfolgreiches sowie friedvolles Jahr 2022. Dies verbinde ich mit der Hoffnung, dass auch Sie über die Feiertage Gelegenheit finden, abseits der Hektik des Alltags neue Kraft für das vor uns liegende Jahr mit all seinen vielfältigen Facetten und Herausforderungen zu schöpfen. Und damit unser aller Arbeit nicht vergeblich ist, wünschen wir für uns und für unsere Mitwelt ein friedliches Miteinander!

Lassen Sie uns auch künftig mit Vernunft, Gelassenheit und Zuversicht kommende Herausforderungen angehen und bestehen. Bei all unserem Tun sollten wir weiterhin achtsam bleiben. Das wünsche ich Ihnen und das wünsche ich mir.

In der Hoffnung, dass Sie alle gesund sind und gesund bleiben werden, verbleibe ich mit herzlichen Grüßen

Dr. Stephan Roth-Kleyer
(Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland)