Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD)

Das freimaurerische Symposium

Das freimaurerische Symposium

In den Logen erlebe ich viele spannende Vorträge. Oftmals sind sie mit Liebe zum Detail ausgearbeitet und für die Bruderschaft ein großes Geschenk. Die anschließende brüderliche Aussprache beleuchtet oft auch benachbarte Themen des Vortrags.

Gelesen von Arne Heger

Foto: © spaxlax / Adobe Stock

Dabei fiel mir auf, dass sich meist nur eine Handvoll Brüder mit Redebeiträgen beteiligt und die Mehrzahl aufmerksam schweigt. Ich erkundigte mich bei den „stillen Brüdern“ nach den möglichen Ursachen. Es stellte sich heraus, dass sie ihre Beiträge eher für wenig mitteilungswürdig halten. Auch Art und Geschwindigkeit der Vielrednerbeiträge stellen eine Hürde dar. Das gab mir zu denken. In der freimaurerischen Erkenntnisarbeit geht es bekanntlich nicht darum, möglichst viel Fachwissen einzubringen oder besonders kluge Gedanken zu äußern. Es geht darum, seine eigenen Gedanken zu erkennen und sie in seiner individuellen Sprache, Art und Geschwindigkeit zu formulieren. Das kann im besten Fall zur eigenen Aneignung des Themas und zum effektiveren Austausch mit den Brüdern führen.

Offene und respektvolle Kommunikation

Damit alle Brüder zu gleichen Teilen aktiv werden können, entwickelte ich die Methode des „Freimaurerischen Symposiums“. Hierzu wird in der Vorbereitung ein Thema gewählt, zum Beispiel das der freimaurerischen Grundwerte. Der ausrichtende Bruder erstellt im Vorfeld Karten im DIN A6- oder DIN A5-Format mit kurzen Zitaten, Aphorismen, Definitionen oder auch Bildern zu diesem Thema. Darunter können auch einige humorvolle sein. Die Anzahl der Karten sollte etwa doppelt so hoch sein wie die Anzahl der zu erwartenden Teilnehmer des Abends. Der ausrichtende Bruder ist gleichzeitig Moderator und verteilt die Karten zu Beginn mit dem Text nach unten auf den Tischen. Haben alle Teilnehmer Platz genommen und ist der Abend eröffnet, erklärt er den Ablauf des Symposiums. In das Thema wird mit einem Kurzvortrag von maximal 500 Worten eingeführt – das sind etwa viereinhalb Minuten Sprechzeit. Daraufhin zieht jeder Bruder eine Karte und liest sich den Inhalt durch. Der Moderator fragt nach einem Bruder, der beginnen möchte. Dieser liest den Inhalt seiner Karte laut vor und gibt sein Verständnis, seine Assoziation, Interpretation, seinen Standpunkt oder weitere Ideen zum Inhalt kund. Hierauf können die Gedanken der anderen Teilnehmer eingebracht werden. Damit keine Meldung verloren geht, führt der Moderator eine Rednerliste. Jede Karte wird nicht länger als sechs Minuten gespielt. Ist eine Karte gespielt, erhält ein anderer Bruder das Wort, der wie beschrieben verfährt. Übermäßig lange Beiträge, deplatzierte oder vom Thema abgleitende Inhalte werden durch den Moderator zum Ausgangspunkt zurückgeführt. Damit die freimaurerische Gesprächskultur zur Geltung kommt und sich Gedanken ungehindert entwickeln können, werden die Inhalte der Karten und Beiträge weder bewertet noch durch Fragen bzw. Gegenfragen modifiziert. Nur rhetorische Fragen sind erlaubt. Es entfallen dominierende oder massenhafte Beiträge einzelner Brüder, Unterdiskussionen und Zweiergespräche. Die Kommunikation bleibt somit für alle offen und wird respektvoll geführt. Sollte sich ein neuer Themenpunkt entwickeln, wird dieser durch den Moderator im Themenspeicher platziert und am Ende wie eine ausgelegte Karte besprochen. Das Ende des Gesprächs ist erreicht, wenn entweder jeder Bruder seine Karte gespielt hat, alle Karten gespielt sind oder die Zeit abgelaufen ist. Der Moderator kann noch ein kurzes Fazit ziehen und so den gedanklichen Reichtum des Austauschs an die Gruppe zurückspiegeln. Er dankt allen Mitspielern und schließt den thematischen Teil des Abends.

Symposien sind auch für Videokonferenzen nutzbar

Die Methode eignet sich für alle drei freimaurerischen Grade, ebenso für Gästeabende und weitere Formate. Sie kann auch in größeren Gruppen angewendet werden. In diesem Fall wird die Gruppe aufgeteilt. Jede Kleingruppe zieht eine Karte, und ihre Mitglieder tauschen sich in einer vorgelagerten Zwischenrunde sechs Minuten lang über den Inhalt aus. Wenn die Kleingruppe das Wort erhält, trägt ihr Sprecher den Inhalt der Karte und dessen Verständnis der Gesamtgruppe vor.

Das Symposium ist auch digital durchführbar. So nahmen an den ersten beiden digitalen Symposien, ausgerichtet am 21. April und 14. Mai 2020 vom Distrikt Niederachsen/Sachsen-Anhalt in Anwesenheit des Distriktmeisters Br. Alexander Trettin, Brüder aus den Orienten Celle, Gardelegen, Hameln, Hannover, Osnabrück, Stadthagen und Wolfsburg teil. Genutzt wurde die Videokonferenz-Plattform GoToMeeting, mit der auch die Inhalte der Karten vom Moderator über die private Chat-Funktion an die Brüder gesendet wurden. Die Vielfalt der geäußerten Gedanken war beachtlich, die unterschiedlichen Verständniswege und Assoziationen bereichernd und der Austausch kurzweilig. Weitere digitale Symposien sind für die Zeit der Kontaktbeschränkung in Planung.

Dieser Beitrag stammt aus dem Heft 4-2020 der HUMANITÄT, dem deutschen Freimaurer-Magazin. Das Heft kann bei der Kanzlei abonniert werden.

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