Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD)

E-Mail for you!

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E-Mail for you!

Von Lars O. Heintel

Unter dem Titel „Sieben E-Mails, die Sie jede Woche versenden sollten“ las ich im Wirtschaftsmagazin „Capital“ einen Text, der anregte, sich regelmäßig Zeit für kurze und karriereförderliche elektronische Nachrichten zu nehmen. Inhaltlich geht es dabei um Beziehungspflege, Wertschätzung und Selbstreflexion — Themen also, die uns Freimaurern am Herzen liegen und ausdrücklich den Gesellengrad prägen, dessen Motto „Schau um dich!“ lautet.

Ich nahm mir daher die Freiheit, basierend auf jenem Artikel und den ihm zugrundeliegenden Blogbeitrag von Karrierecoach Michael Thompson eigene Ideen für regelmäßige Mails an Freimaurerbrüder zusammenzustellen. Die wöchentliche Anzahl beschränkte ich allerdings auf nur fünf E-Mails, was einerseits der Symbolik des für Gesellen wesentlichen Pentagramms entspricht, andererseits bei werktäglichem Versand einer solchen elektronischen Nachricht eine angemessene Pause am Wochenende zulässt.

Dabei geht es mir weder in beruflicher noch freimaurerischer Hinsicht um Aufstiegschancen im üblichen Sinne, sondern um die Pflege menschenfreundlicher Beziehungen zu Mitbrüdern und sich selbst, also um ein Vorankommen beim ideellen Bau unseres Tempels der Humanität. Ferner empfehle ich, hin und wieder die Mühe auf sich zu nehmen, anstelle einer E-Mail eine Postkarte oder einen Brief von Hand zu schreiben, was in zunehmend digitalisierten Zeiten oft mit freudiger Überraschung als starker Ausdruck von Wertschätzung wahrgenommen wird.

Und nun meine konkreten Anregungen:

#1 Eine E-Mail, die „Danke“ sagt

Eine Nachricht mit dem Betreff „Danke“ dürfte fast jeden Bruder freuen. Ein aufrichtiger Anlass findet sich fast immer: Danke für unser gutes und anregendes Gespräch. Danke für deinen brüderlichen Rat. Danke für deine Unterstützung in dieser oder jener Angelegenheit. Diese Worte kosten Sie nicht viel Zeit und können einem anderen den Tag versüßen. In jedem Fall stärken sie aber das eigene Bewusstsein für das Gute im Anderen und die Dankbarkeit, die wir für das phänomenale Geschenk ihrer Bekanntschaft empfinden können.

#2 Eine E-Mail, die Anerkennung, Lob oder Achtung ausdrückt

Eine solche Nachricht kann zunächst ein wenig Überwindung kosten. Was hierzulande manchem anbiedernd erscheint, ist in anderen Kulturen selbstverständlich, und das nicht nur an Geburtstagen oder Jubiläen. Mit wohlwollendem Blick entdeckt man an fast jedem Bruder inspirierende oder sogar bewundernswerte Seiten, die vielleicht nicht einmal ihm selbst bewusst sind. Ein ehrliches Lob bestätigt und beflügelt nicht nur den Adressaten, sondern kann Beginn oder Festigung lebenslanger Freundschaften sein.

#3 Eine E-Mail, die anspornt oder tröstet

Nicht wenige Brüder erinnern sich an Bürgen oder brüderliche Mentoren, die sie in schwierigen Situationen gestützt, bestärkt oder aufgefangen haben – sei es durch Gesten der Anteilnahme, konkrete Hilfsangebote oder freundliche Ermutigung. Wie vieles lässt sich doch besser durchstehen und erreichen im Wissen um brüderlichen Beistand in Worten, Taten oder Mitgefühl! Dieses Gefühl weiterzugeben kann sich als wahre Großtat erweisen, die zwar etwas Aufmerksamkeit, aber oft nur wenig Mühe kostet.

#4 Eine E-Mail an neue oder alte Brüder

Nahezu monatlich lernt man im Logenleben, in sozialen Netzwerken oder über freimaurerische Gazetten neue Brüder kennen, die durch Persönlichkeit begeistern oder mittels Wort und Tat neue Gedanken anstoßen, Zustimmung oder Ablehnung hervorrufen und Vorbildliches leisten. Sich diesen Brüdern mitzuteilen, ist ein zwischenmenschlicher Gewinn für beide Seiten und festigt die Bruderkette im Ganzen. Diese zählt aber auch viele Kettenglieder, die man leicht aus dem Auge verliert; sei es durch Logen– oder Wohnortwechsel, Krankheit, Alter oder Deckung. Hier Kontakt zu halten oder wieder aufzunehmen, ist ein Akt der Nächstenliebe über die oft engen Grenzen der eigenen Bauhütte hinaus. Bewährt euch als Freimaurer!

#5 Eine Freitags-E-Mail an sich selbst

Eine E-Mail an sich selbst — ob von der Arbeit nach Hause oder umgekehrt oder noch anders — mag merkwürdig oder albern wirken, kann aber viel Sinn und Nutzen ergeben: In einer solchen Mail zum Wochenende lassen sich Erkenntnisse und Fortschritte notieren, Ideen und zukünftige Lernfelder. Hier geht es weniger um die Arbeit des Gesellen als um die des ewigen Lehrlings, der weiterhin den eigenen rauen Stein bearbeitet und sich auch über seine Erfolge bei dieser Arbeit freuen darf — ein recht angenehmer wie angemessener Start ins Wochenende!

Ganz gleich aber, ob wir mit unseren fünf kurzen Mail- oder Briefbotschaften unser maurerisches Netzwerk pflegen, Mitgefühl, Anerkennung oder Selbstfürsorge zum Ausdruck bringen: Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit sind der Kitt des Tempelbaus. Zu unseren edelsten Aufgaben als Freimaurer zählt es, diesen magischen Mörtel ebenso großzügig wie mit Augenmaß zu verteilen!

Dieser Beitrag stammt aus dem Heft 5-2020 der HUMANITÄT, dem deutschen Freimaurer-Magazin. Das Heft kann bei der Kanzlei abonniert werden.