Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD)

“Ein Frey Maurer findet sich zu ihr und will sie küssen …”

Meißner-Figur im Freimaurermuseum Bayreuth
Eine Freimaurerplastik aus Meißener Porzellan. Deutsches Freimaurermuseum, Inv. Nr. 79011

Mit dem Neuaufbau des Museums in den 50er Jahren und danach erhielt die beinahe komplett verlorengegangene Sammlung wertvolle Neuerwerbungen und Schenkungen, darunter eine besondere Porzellan-Figurengruppe im Stil des 18. Jahrhunderts aus der berühmten Meißener Porzellan-Manufaktur.

„Galante Figur“ nennt sie sich. Zu sehen ist ein Paar auf niedrigem Sockel. Die Dame in einem weit schwingenden, geblümten Kleid, der Mode des Rokoko entsprechend, sitzt auf einem Stuhl. Vor ihr ein Tisch mit marmorierter Platte, auf dem, bedeckt unter einem weißen Schurz mit blauer Umrandung, ein Kissen mit Karomuster ruht. Sie wendet sich anmutig nach rechts und kokettiert zugleich mit dem galanten Mann neben ihr im grünen Rock, der mit dem Reifrock der Dame verhaftet ist. In Schrittstellung scheint er seinen Dreispitz gerade auf dem Tisch abgelegt zu haben, wendet sich der Dame zu, gestikulierend hält er seine linke Hand vor das Kinn. Zu den Füßen der Dame sitzt ein Mops. Am Boden liegen verschiedenfarbige Rosen verteilt.

Johann Joachim Kaendler (1706–1775) ist der Porzellan-Künstler. Im sächsischen Fischbach als Pfarrerssohn geboren, wuchs er in einem klassisch gebildeten Umfeld auf, verfügte über ein breit gefächertes Wissen, besonders in der griechischen Mythologie. Seine Lehrzeit begann er bei dem berühmten Dresdner Hofbildhauer und Altarschnitzer Johann Benjamin Thomae (1682–1751). Sein Talent blieb nicht lange verborgen und so ernannte ihn im Alter von 25 Jahren der sächsische Kurfürst August der Starke zum Hofbildhauer und stellte ihn in dessen Porzellan-Manufaktur in Meißen als Modellmeister ein. Später leitete er die plastische Formgestaltung und schließlich wurde er Arkanist. Während der preußischen Besatzung brachte ihn sein handwerkliches Geschick auch an den Hof des preußischen Königs Friedrich II.

Kaendler verfasste minutiös genaue Arbeitsberichte und parallel dazu Listen der Produktionskosten (Taxa). Ein Auszug daraus zu unserer Gruppe aus dem Juni 1744: „Frey Maurer Groupgen, da eine Dame an einem Tische, darauff ein NehKüßchen befindl. sitzet, und ein Schurz Fell eingefasst, neben der Dame sizt ein Mopß Hund, ein Frey Maurer findet sich zu ihr und will sie küssen.“

Neben seinen kraftvollen Tiergruppen hat sich Kaendler ebenfalls einen Namen in der Entwicklung der Kleinszenerie gemacht. Dabei orientierte er sich am höfischen Leben und ließ sich von der damals sehr populären „Commedia dell’arte“ inspirieren. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eleganten Schwung und leichte Anmut aus und repräsentieren in höchstem Maße das Rokoko und das aufklärerische Ideal jener Zeit.

Zu diesem Zeitgeist zählt zweifelsfrei auch unsere freimaurerische Gruppe aus dem Jahre 1744, die sich durch eine feine Symbolik identifizieren lässt. Neben dem Schurz, dem karierten Nähkissen, das an das musivische Pflaster denken lässt, ist da noch der Dreispitz, der das Symbol der Gleichheit zum Ausdruck bringt. Und ganz nebenbei sitzt zwischen dem Paar noch der Mops. Es ist bekannt, dass sich neben der Freimaurerei in jener Zeit auch Clubs organisierten, die die Freimaurerei spielerisch nachahmten, etwa der Mopsorden bzw. die Mopsgesellschaft. Dieser Vereinigung konnten auch adlige Frauen sowie Damen der Gesellschaft beitreten, die sich hier auf zwanglose Art und Weise ihre Zeit vertrieben. Ob die Figurengruppe von einer Mopsgesellschaft in Auftrag gegeben wurde, konnte nicht nachgewiesen werden. Allerdings war der Mops in jener Zeit ein „Modehund“ in der feinen Gesellschaft. Kaendler hatte ihn in früheren Arbeiten mehrmals solo gefertigt. So könnte diese Gruppe auch außerhalb seiner Auftragsarbeit entstanden sein und musste sicherlich nicht lange auf ihre Abnehmer warten. Die Stempel am Sockelrand (gekreuzte Schwerter) und am Boden (551/111 J) der im Freimaurermuseum befindlichen Replik lassen auf den Herstellungszeitraum zwischen 1934 und 1948 schließen.

Dieser Beitrag stammt aus dem Heft 1-2020 der HUMANITÄT, dem deutschen Freimaurer-Magazin. Das Heft kann bei der Kanzlei abonniert werden.