Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD)

Jahrbuch für Freimaurer­forschung mit dem Thema Freimaurerei und Nationalismus

Jahrbuch für Freimaurerforschung

Zeitenwende: Freimaurerei und Nationalismus

Forschungsloge Quatuor Coronati

Erschienen im Salier-Verlag, Leipzig

160 Seiten, Format 16,5 x 24 cm, Klappenbroschur, ISBN 978-3-996285-055-5, 20,00 €

Man kann einigen deutschen Großlogen nicht den Vorwurf machen, sich nicht ausgiebig mit der eigenen Rolle während des Nationalsozialismus und des Nationalismus auseinandergesetzt zu haben. Mehrere, teils umfangreiche Werke sind dazu erschienen. Die Forschungsloge Quatuor Coronati widmet sich in ihrem Jahrbuch Nr. 59 dem Thema mit einer Reihe von interessanten Aufsätzen der folgenden Autoren:

Dr. Joachim Berger

(Trans-) Nationale Helden? Erinnerungspolitik, Gemeinschaftsbildung und Deutungskonkurrenz in den europäischen Freimaurereien

Mainz, Leibnitz-Institut für Europäische Geschichte, Forschungskoordinator; derzeitige Forschungsinteressen: Internationalismus und Freimaurerei, Geschichte der Europa-Historiographie, Wissensordnungen und Digitalität.

Das Wissen um die Entwicklungsgeschichte der Freimaurerei ist wichtig für das Verständnis der unterschiedlichen Verhältnisse im Nationalsozialismus. Berger widmet sich der Geschichtsanschauung und Erinnerungspolitik der Logen und ihrer "mythisch eingekleideten Vergangenheit" und den nationalen Differenzierungen und den transnationalen Bewegungen. Der größte Teil seines Beitrages beschäftigt sich mit der "freimaurerischen Heldenverehrung".

 
 

 

 

Prof. Dr. Klaus-Jürgen Grün

Vom Freimaurer zum Kollaborateur der Nazis. Das Beispiel Hjalmar Schacht

Philosoph, apl. Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, Leiter des Philosophischen Kollegs für Führungskräfte (PhilKoll), Vizepräsident des Ethikverbandes der deutschen Wirtschaft und ehem. Vorsitzender der Forschungsgesellschaft Quatuor Coronati e.V.

Klaus Jürgen Grün schildert die Karriere Schachts, der 1906 Freimaurer offenbar aus Gründen des sozialen Aufstiegs Freimaurer wird. Er beschreibt Schachts Verwurzelung im christlich-nationalen Denken der Altpreußischen Freimaurerei und des Ordens im Sinne Ferdinand Runkels und begründet Schachts Aufstieg auch damit, dass die Nazionalsozialisten nicht die Freimaurer mit der genannten christlich-nationalen Einstellung hassten, sondern die Freimaurerei als solche mit ihrem Weltbild.

Prof. Dr. Dieter A. Binder

Wie viel nationalstaatliche Eigenheit verträgt die Weltbruderkette?

Leiter des Lehrstuhls für Kulturwissenschaften an der Andrássy Universität, Budapest, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Forschungsgesellschaft Quatuor Coronati e.V.

Dieter Binder stellt die These zur Diskussion „dass in dem Augenblick, in dem die sozialintegrative Leistung der Logen bis in das späte 18. Jahrhundert durch die Etablierung einer zunehmend bürgerlichen Gesellschaft abgelöst wurde, die Logen auch Bestandteil der Erfindung der Nation wurden“.

Priv.-Doz. Mag. Dr. Marcus G. Patka

Freimaurerei zwischen Nationalismus und Weltenkette am Beispiel der Großloge von Wien

Zeit- und Kulturhistoriker, Kurator im Jüdischen Museum Wien, seit 2015 Meister vom Stuhl der Quatuor Coronati Wien und Mitherausgeber des dortigen Jahrbuchs.

Der Autor unterteilt die Wiener Freimaurerei mit einem Augenzwinkern in vier Gruppen: 1. die Menschenrechtsaktivisten, die sich für mehr Gesellschafts- und Sozialreformen einsetzen; 2. die Geschäftsmaurer, dies sich in erster Linie vernetzen wollen; 3. die "Ritualnik", die Freimaurerei als Ersatz für das ansonsten verloren geglaubte Sakrale oder zumindest für gemeinsame Inszenierungen betrachten und 4. die Gesellschaftsmaurer, die einen netten Herrenabend erleben möchten. Er führt zahlreiche illustre, gefährliche aber auch wichtige Persönlichkeiten aus der Wiener Geschichte dazu an.

Prof. Dr. Hans-Hermann Höhmann

Die völkische Freimaurerei vor und nach 1933 und die Defizite der Erinnerung daran

Sozialwissenschaftler, Ehrenvorsitzender der Forschungsgesellschaft Quatuo Coronati e.V. und Redner der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland.

Hans-Hermann Höhmann weist auf wichtige Arbeiten zum Thema Nationalsozialismus und Freimaurerei der Autoren Helmut Neuberger, Ralf Melzer, Marcus Meyer und Jean Manuel Pauli hin und schildert deren unterschiedliche Deutungen. Übereinstimmend ist jedoch, dass sich Teile der deutschen Freimaurerei aus verschiedenen Gründen tief in das Geflecht der nationalsozialistischen Ideologie verstrickt haben. Dies äußerte sich in polarisierenden Sichtweisen, in Nationalismus und dem Ausdruck deutscher Überlegenheit, Judenfeindlichkeit und Antisemitismus, „ariosophischer“ Religiosität, Bekenntnis zum Nationalsozialismus. Aber auch Widerstand durch einige freimaurerische Gruppen wird erwähnt.

Dr. Christoph Meister

René Guénon: Der Traditionalismus und die Freimaurerei

Germanist, Lehrer, stellv. Vorsitzender der Forschungsgesellschaft Quatuor Coronati e.V.

Christoph Meister beschäftigt sich mit dem Traditionalismus des René Guénon, nach eigener Aussage sachlich, aber auch kritisch und fügt gleich hinzu: "Mit Kritik macht man sich aber unweigerlich zu seinem Gegner. Guénon nimmt nämlich für sich in Anspruch, dass man ihm nur von innen her gerecht werden kann. Als scharfer Kritiker der modernen Zivilisation lehnt er eine Grundhaltung der Moderne, die darin besteht, dass alles zum Gegenstand des der Kraft des Arguments verpflichteten Diskurses nicht nur werden kann, sondern werden soll, entschieden ab." Gleichwohl gibt es in der Schweiz eine Loge, die im Geiste dieses Mannes arbeitet und sich nach ihm benannt hat.

Dr. Phil. Manuel Pauli

Die Freimaurerei um 1900: Eine Epochenschwelle

Historiker, promovierte zur Geschichte der deutschen Freimaurerei an der Freien Universität Berlin. Mitglied der Nürnberger Loge "Zu den drei Pfeilen" und ständig besuchender Bruder der Berliner Loge "Zum Spiegel der Wahrheit".

Manuel Pauli beschreibt die Freimaurerei um 1900 aufgrund ihres beträchtlichen Wachstums von 35.000 auf über 80.000 Mitglieder als „Global Player“, zahlenmäßig nach den USA und England immerhin auf dem dritten Platz. Aber auch geistig war man international auf der Höhe der Zeit. Das führte jedoch nicht dazu, dass es so etwas wie eine „deutsche Freimaurerei“ gab, im Gegenteil. „Aus der weitgehend unregulierten Ausbreitung der Freimaurerei im 18. Jahrhundert, der daraus resultierenden Systembildungen, der politischen Kleinstaaterei und weiteren Faktoren resultierte eine bunte Vielfalt unterschiedlicher freimaurerischer Systeme und Großlogen mit je eigenen Traditionen, Selbstverständnissen und Souveränitäts- sowie Autoritätsansprüchen.“

Dr. Alexander Trettin

Metaphern im freimaurerischen Kontext

Promovierter Religionspsychologe, Religionswissenschaftler, Philosoph und Pädagoge. Stellv. Vorsitzender der Forschungsgesellschaft Quatuor Coronati e.V., Distriktmeister Niedersachsen / Sachsen-Anhalt der Großloge A.F.u.A.M.v.D. und Sprecher der Distriktmeister.

Alexander Trettin schreibt in seinem ergänzenden Beitrag über Metaphern, Allegorien und Symbole der Freimaurerei, über erkenntnistheoretische Grundlagen, die psycholgische Wirkmacht von Metaphern und einiges mehr. Das mag auf den ersten Blick nicht zum Thema gehören, kann aber bisweilen zum Verständnis der Thematik beitragen.

Ralf Bernd Herden

Der badische Sozialdemokrat Rolf Gustav Haebler, der Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne und Aspekte der Freimaurerei nicht nur in Baden-Baden

Rechtsanwalt, Bürgermeister a.D., Lehrbeauftragter (univ. appl. sc.) und Historiker, Mitglied Quatuor Coronati Bayreuth, Quatuor Coronati Wien (GLvÖ), Corresp. Circle Quatuor Coronati London (UGLoE).

Der Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne gehörte, wie einige andere freimaurerische Gruppierungen oder einzelne Logen auch, zu denen, die keine Kollaboration mit den Nationalsozialisten anstrebten. Insofern ist es naheliegend, einen Beitrag über diesen Bund und einzelne Mitglieder in diesem Band zu veröffentlichen.

Dr. Kornél Magvas

Zum pädagogischen Engagement der Freimaurer im 18. Jahrhundert

Musikwissenschaftler und Lehrer für Deutsch, Musik und Darstellends Spiel am Evangelischen Kreuzgymnasium Dresden

Kornél Magvas beschreibt das unvollkommen und nicht flächendeckende Schulwesen des 18. Jahrhunderts, insbesondere für das "Volk", das in erster Linie aus Bauern, Tagelöhnern und kleinen Handwerkern bestand, und erläutert die Notwendigkeit von Bildung für das Funktionieren der Gemeinschaften. Unter anderem die Freimaurerlogen fühlten sich oftmals verpflichtet, hier durch verschiedenste pädagogische Einrichtungen tätig zu werden. Als Beispiele werden Schulen und Hilfswerke in Stockholm, Jena, Braunschweig, Dresden, Prag, Riga, Dessau, Hamburg, Preußen, Frankreich und England beschrieben.

Die Redaktion des Jahrbuches wurde von Michael Wehrhan besorgt, der als freier Regisseur und Autor arbeitet und Mitglied der Kölner Loge „Ver Sacrum“ ist. Er schreibt im Vorwort von der „Völkischen Freimaurerei“, in die sich ein nicht unerheblicher Teil der deutschen Logen und Großlogen begaben. „Sie steht dem Bild und den Werten der Freimaurerei, die die Brüder heute im Herzen tragen, diametral gegenüber. […] Auch diese Facette der Freimaurerei ist Teil der reichen Geschichte unserer Bruderschaft und eine kritische Auseinandersetzung mit ihr ist überfällig und unbedingt notwendig.“

Update vom 13. Januar 2023

Versehentlich war im Titel vom "Nationalsozialismus" die Rede. Richtig muss es Nationalismus heißen.Der Fehler wurde korrigiert.