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Mit Motivation, Kreativität und Sensibilität

© anncapictures – pixabay.com

Von Stefan Kunnert

Mehr gestalten als verwalten – mehr agieren als reagieren: der neugewählte Großmeister Stefan Kunnert auf dem Großlogentag 2022 in Berlin

Nach vier Jahren war es nun wieder an der Zeit, den Vorstand unserer Großloge, mit Großmeister, Zugeordneten Großmeistern, Großkanzler und dem Großschatzmeister, den Großredner, die Vorsitzenden und Beisitzer des Oberen Ehrengerichts, die Vorsitzenden und Beisitzer des Rechtsausschusses sowie die Rechnungsprüfer und ihre Stellvertreter zu wählen.

Dies, liebe Brüder, entspricht unserer demokratischen Kultur, für eine bestimmte Zeit einen Bruder aus der Mitte heraus zum „primus inter pares“ zu machen und ihn mit der vertrauensvollen Aufgabe des Vorsitzenden unserer Bruderschaft zu betrauen.
Freimaurerei, und das gilt besonders auch für die Vorstandsarbeit, ist keine „One-Man-Show“, sie lebt vom Bemühen der Brüder mit unterschiedlichen Qualifikationen und vielseitigen Möglichkeiten und von der kollektiven Kreativität und Weitsicht.
Ich möchte hiermit einige der Punkte und Themen ansprechen, die mir für die zukünftige Arbeit unserer Bruderschaft wichtig erscheinen:

Öffnung

Es ist erfreulich zu erkennen, dass Freimaurerei vor allem durch „Öffnung mit Augenmaß“ zunehmend und überwiegend als wertvoller bereichernder Teil unserer Gesellschaft wahrgenommen wird. Der Impuls durch das Engagement zahlreicher Logen in ganz Deutschland und weltweit im Jahr 2017, mit unterschiedlichsten Veranstaltungen zur 300-Jahr-Feier, motiviert nachhaltig. Die Wirkung hält in unserer kreativen Öffentlichkeitsarbeit bis heute an. Zwar wurde diese durch die Coronapandemie jäh unterbrochen, sie konnte aber nun rasch wieder aktiv aufgenommen werden. Die Bauhütten werden dafür mit einer beachtlichen Anzahl von Suchenden, die an die Türen klopfen, belohnt. Ich bin mir deswegen sicher, dass es uns gelingen wird, den pandemiebedingten Mitgliederschwund in den kommenden zwei Jahren wieder auszugleichen. Die ideelle, aber auch die finanzielle Unterstützung von Einzelprojekten durch die Großloge wird dabei regelmäßig in Anspruch genommen. Ideen und Anregungen aus der Bruderschaft sind ausdrücklich erwünscht.

Gemeinschaft

Neben der öffentlichen Positionierung der Ideale unseres Bundes ist auch der Blick nach innen enorm wichtig. „Gemeinschaft leben“ ist ein Leitmotiv für aktive harmonische und lebendige Arbeit in den Bauhütten. Diese wird unterstützt durch qualitätsvolle und behutsame Aus- und Weiterbildung der jungen Brüder und der Brüder, die in Ämtern Verantwortung übernehmen. Auch durch die Großloge werden hier Angebote gemacht und Unterstützung gegeben, sei es durch Seminare, durch Informationen und Unterlagen und durch die Vermittlung unter den Distrikten und Logen.

Zahlreiche Angebote auf Distriktebene mit Werkstätten und masonischen Seminaren ergänzen diese. Das sichert die Integration neu aufgenommener Brüder und erzeugt durch den logenübergreifenden Kontakt auch ein spürbares Wir-Gefühl. Im Bereich der Aus- und Weiterbildung denken wir zukünftig auch verstärkt an ergänzende digitale Angebote wie Online-Seminare und digitale Workshops. Dazu werden zeitnah in einzurichtenden Arbeitsgruppen Konzepte entwickelt und der Bruderschaft vorgestellt. Unser Ziel muss es ein, diese Aktivitäten mit zeitgemäßen Methoden auf breiter Basis weiterzuentwickeln.

Einheit in der Vielfalt

Freimaurerei ist nicht uniform und die Brüder bilden eine heterogen strukturierte Gemeinschaft. Beim „Bau des Tempels“ bedarf es zahlreicher Arten und Formen der Steine, um sie, jeder an seinem Platz, zu einem wertvollen Ganzen zusammenzufügen. Neben geradlinigen wohlproportionierten Kuben bedarf es an ausgewählten Stellen auch kräftiger Schlusssteine und manch kantiger Ecksteine. Diese heterogene Gemeinschaft zu unterstützen, kann im neu gewählten Vorstand und den Gremien mit großer Transparenz in einem Team erfolgen, das sich in agiler Weise zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben mit zahlreichen zu beteiligenden engagierten Brüdern zusammenfindet. „Einheit in der Vielfalt“ soll und wird auch hier gelten. Das Miteinander darf sich nicht nur auf die Brüder in den Ämtern beziehen, hier ist jeder Bruder angesprochen, der sich mit seinen Fähigkeiten für unsere gemeinsame Sache einbringen kann und möchte.

Die Kraft unserer Logen

Die Kraft unserer Großloge besteht in der Stärke und aktiven Arbeit unserer Logen.  Hier wird Freimaurerei erlebt, werden die Themen und Beschlüsse erarbeitet und gefasst und werden wertvolle Impulse gegeben. „Bottom up“ – dieses Prinzip hat sich bewährt und muss auch so bleiben.

Digitalisierte Gesellschaft

Die in der Pandemiezeit rasch entstandene Notwendigkeit einer digitalisierten Kommunikation mit kurzen Wegen führte auch in der Arbeit der Großloge zu innovativen Formaten, die wir als unterstützende Komponenten beibehalten wollen. Vorstands- und Großlogenratssitzungen, aber auch die Kommunikation auf Distrikt- und Logenebene sollen und können auf diese Art in kürzeren Intervallen und in unmittelbarem Bezug zu aktuellen sich ergebenden Themen erfolgen. Die sich wandelnde digitalisierte Gesellschaft wird durch kürzere Arbeitszeiten und modifizierte Arbeitswelten auch gravierende Auswirkungen auf die Fragen nach einer sinnvollen Zeitgestaltung haben. Hier sehe ich eine große Chance für die Freimaurerei, Menschen für unsere Ideen zu gewinnen. Im Zeitalter der Digitalisierung und damit wachsender Freiwerdung in unserer Kultur kann die Freimaurerei Talent und Neugier auf ein selbst definiertes Leben fördern. Der geschützte Raum unserer Logen ist im Zeitalter sozialer Medien und erhöhter Kommunikation ein Kleinod.

Werte

Im Zusammenhang mit der „Werte“-Diskussion in unserer Gesellschaft wird Freimaurerei heute auch gerne mal als Anachronismus eingestuft oder es ist gar von einem „Scheitern“ der Freimaurerei die Rede. Das, liebe Brüder, kann ich nicht nachvollziehen. Lebt und arbeitet doch der Bruder als Freimaurer in ständigem Bemühen, den immer gültigen Zielen unseres Bundes und seinen eigenen schrittweise näherzukommen. Das Bemühen darum und nicht das Erreichen des Ziels beschreibt den freimaurerischen Weg, den wir angetreten sind, um ihn gemeinsam und uns gegenseitig unterstützend zu gehen.
Die sich in Zeiten des Wertewandels durch unsere Social-Media-Gesellschaft einstellende Rauheit, die soziale Isolation durch die Coronapandemie und ganz aktuell der Schock durch das zerstörende Kriegsgeschehen in der Ukraine darf uns nicht entmutigen. In seiner kürzlich gehaltenen Zeichnung beim Stuhlmeistertag Bremen zeigte uns Br. Andreas Jonda zum Thema „Hoffnung“ auf, dass es in der Geschichte der Freimaurerei vor 77 Jahren und auch davor meist weitaus widrigere Umstände gab, von denen sich unsere Brüder aber nicht haben abhalten lassen, motivierte und mutige Freimaurer zu sein. Diese retrospektive Betrachtung ist sehr hilfreich in der Einordnung unserer Zeit und ermutigt zur Fortsetzung unserer Bemühungen.

Weitere Aufgaben

Mit Digitalisierung, aktiver Öffentlichkeitsarbeit, lebendiger innerer und äußerer Kommunikation, breit gestreuter Aus- und Weiterbildung, der anstehenden Rechtsreform, der angesprochenen Gemeinschaftsbildung und -pflege in einer Vertrauenskultur haben wir eine Vielzahl von Aufgaben vor uns.
Weitere werden noch hinzukommen.

Das Team

All diese Themen mit Motivation, Kreativität und Sensibilität brüderlich zu bearbeiten, dabei mehr zu gestalten als zu verwalten und mehr zu agieren als zu reagieren, ist der Ansporn für mich und unser Team:

Mit Br. Uwe Schmidt, Alt-Distriktmeister Bremen, Sozialwissenschaftler, Gewerkschaftler und langjähriger Arbeitsdirektor steht ein erfahrener Freimaurer mit ausgeprägtem Organisationstalent und Beharrlichkeit in der Umsetzung für das Amt des Zugeordneten Großmeisters und Stellvertreters des Großmeisters zur Verfügung.

Br. Frank Schmalbach, bislang Distriktmeister Rheinland-Pfalz/Saarland wird sich als Projektmanager, Mediengestalter und Konzeptentwickler für die Großloge schwerpunktmäßig den Medien und der Kommunikation widmen und erfüllt das Amt des Zugeordneten Großmeisters und I. Großaufsehers.

Br. Thomas Forwe, bis vor Kurzem Vorsitzender und Meister der Forschungsloge Quatuor Coronati wird sich mit seinen Fähigkeiten als Management Director u.a. im Bereich Organisational Change dem Themenbereich Aus- und Weiterbildung mit Innovation zuwenden. Er leitet seit längerem die Stuhlmeisterseminare der Großloge und steht als Zugeordneter Großmeister und II. Großaufseher zur Verfügung.

Br. Elmar Kirchberg, bislang Zugeordneter Distriktmeister Sachsen, Volljurist mit zahlreichen richterlichen und administrativen Stationen und neu ernannter Vizepräsident des Verwaltungsgerichts Chemnitz, auch erfahren im Akzeptanz- und Veränderungsmanagement komplettiert als Zugeordneter Großmeister den Kreis des Vorstands der Großloge.

Mit Br. Ralph Meixner, Alt-Distriktmeister Baden-Württemberg, haben wir einen qualifizierten Bruder im vertrauensvollen Amt des Großschatzmeisters gefunden. Als langjähriger selbstständiger Kaufmann und Finanzfachwirt im Bereich Versicherungen und Finanzen bringt er die nötige Erfahrung mit und koppelt diese mit einem freimaurerischen Blick, solide und doch innovativ.

Für den Wechsel vom Amt des Großredners unserer Großloge zur Kanzlei und deren Leitung als Großkanzler konnten wir Br. Wolfgang Kreis gewinnen. Er verantwortet u.a. damit auch den Logenrundbrief und die Vorbereitungen zu den Großlogentagen. Neben seiner Tätigkeit als promovierter Diplom-Ingenieur in den Bereichen Projektkoordination, Kommunikations-Training und Coaching konnte er auch umfangreiche Erfahrung in der Vereins- und Verbandstätigkeit größerer Organisationen sammeln.

Ergänzt wird unser Team durch den neu ins Amt des Großredners gekommenen Br. Wolfgang Böhm, bisher Distriktredner Bayern. Br. Wolfgang ist nach langen Jahren in Managementfunktionen freiberuflich als Consultant in der Managementberatung und als Coach tätig. Im Distrikt Bayern verantwortet und leitet er die Werkstätten und Seminare zur Aus- und Weiterbildung der jungen Brüder.

Der Großmeister stellt sich vor

Für das Amt des Großmeisters selbst, liebe Brüder, fühle ich mich als aktiver Freimaurer, Architekt und Stadtplaner mit 33 Jahren Berufserfahrung, davon 32 in Selbständigkeit, ausreichend qualifiziert. In meiner Tätigkeit als technischer Planer, kreativer Gestalter, aber auch mit der Aufgabe als Leiter eines Architekturbüros mit Angestellten und Verantwortlicher für komplexe Projekte und Bauaufgaben habe ich gelernt, meinen Verstand und meine Fähigkeiten im Team mit allen Beteiligten so einzubringen, dass die gesteckten Ziele erreicht werden können. Zum Technischen und Pragmatischen paart sich dabei auch immer das Schöngeistige und Kreative.

2005 kam ich inspiriert durch Vorträge und Literatur zur Freimaurerei und wurde 2006 in die Loge „Eleusis zur Verschwiegenheit“ Nr. 6 i.Or. Bayreuth aufgenommen. Nach unterschiedlichen Ämtern und Aufgaben durfte ich die Loge ab 2014 vier Jahre lang als Meister vom Stuhl leiten, mit dem Höhepunkt des 275. Stiftungsfestes im Jahr 2016. Meine aktive Mitwirkung an der Gründung der süddeutschen Loge „Ad Lapidem Lucidum“ i.Or. Wasserburg am Bodensee führte im selben Jahr zu einer Ehrenmitgliedschaft.

Beim Großlogentag 2018 in Bamberg wurde ich in das Amt des Zugeordneten Großmeisters gewählt und ich durfte seitdem aktiv in der Großloge mitwirken. Mein freimaurerisches Herz sitzt noch immer am rechten Fleck und ich lebe unsere Werte mit stetem engagiertem Bemühen. Zu meinen Aufgaben als Zugeordneter Großmeister gehörte u.a. auch die Betreuung der Aus- und Weiterbildung, die mit dem Stuhlmeister- und Zeremonienmeisterseminar über die Großloge zentral organisiert ist. In der Zeit als Stuhlmeister meiner Loge und in der nun vierjährigen Arbeit als Zugeordneter Großmeister unserer Großloge konnte ich im Kontakt mit vielen Brüdern, Logen und Distrikten durch Logenbesuche, Teilnahme an Stuhlmeistertagen und Seminarbesuche umfangreiche Erfahrungen im Bereich aktueller freimaurerischer Themen sammeln und gelebte Freimaurerei miterleben.

Es ist für mich bereichernd, der brüderlichen Vielfalt in individueller und persönlicher Prägung – vereint in der Königlichen Kunst – zu begegnen. Es entspricht dabei meiner und unserer Grundhaltung, den Brüdern und ihren Ideen vorurteilsfrei offen zu begegnen.

Ich arbeite und lebe im Norden Bayerns in Weiden und Regensburg und bin nun 59 Jahre alt. Meine Frau, meine drei erwachsenen Kinder (eine Tochter und zwei Söhne) und seit Januar mein erster Enkelsohn bilden meinen familiären Rahmen.

Ich freue mich nun auf die gemeinsame freimaurerische Arbeit im Team und mit allen Brüdern unserer Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland.

Dieser Beitrag stammt aus dem Heft 4-2022 der HUMANITÄT, dem deutschen Freimaurer-Magazin. Das Heft kann bei der Kanzlei abonniert werden.