Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD)

Neujahrsgruß 2023

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Grußwort des Großmeisters der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, Br. Stefan Kunnert zum neuen Jahr

Es mag wohl an der erneuten Lektüre des von mir sehr geschätzten Buches „Das Glasperlenspiel“ von Hermann Hesse liegen, dass ich bei der Suche nach einem passenden Aphorismus für diesen Neujahrsgruß auf das philosophische Gedicht „Stufen“ aufmerksam wurde.

„Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

 
 

 

 

Übertragen wir diese Lebenslauf-Beschreibung auf den Wechsel der Kalenderjahre, so kann sie uns anregen, dem kommenden Jahr mit Motivation und tapferer Zuversicht entgegenzugehen und ob dem scheidenden Jahr nicht zu trauern.

Unsere Empfindungen in der Phase der Wintersonnenwende sind geprägt vom Bewusstsein des Vergänglichen, aber auch von dem Erwarten des Neuen.

 In diesem nun endenden Jahr hat unsere Bruderschaft wichtige Weichen für die innere Organisation der Großloge gestellt. Mit dem neu gewählten Team des Vorstandes konnten bereits in vielen Bereichen optimierende Entwicklungen umgesetzt werden. Alle unterstützenden Gremien sind konstituiert und bringen sich ein. Vieles ist noch zu tun. In der Unterstützung unserer Bauhütten sehen wir unsere wichtigste Aufgabe.

„Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.“

Auch wenn es nüchtern betrachtet am 1. Januar 2023 nur wieder ein Sonntag ist, der auf einen Samstag folgt, so lasst uns dennoch die „Magie“ dieses kalendarischen Wechsels als Inspiration für eine aktive, beseelte und kreative Gestaltung des Neuen Jahres nutzen. Im Zusammenwirken aller Brüder in der lebendigen Loge und dem Eintreten jedes Einzelnen in seinem Wirkungskreis werden wir darin erfolgreich sein, den freimaurerischen Geist spürbar und wirksam werden zu lassen.

Ich wünsche uns allen, dass es uns gelingen möge, einer lähmenden Gewöhnung mit Aufbruchstimmung zu begegnen, uns heiter dem Zukünftigen zuzuwenden, dabei unterstützt zu werden von Kraft und Gesundheit und getragen werden von brüderlicher Liebe.

… die letzte Strophe des Gedichts spare ich mir noch auf.

In brüderlicher Verbundenheit,

Stefan Kunnert
Großmeister

5 Antworten

  1. Ehrwürdiger Großmeister, lieber Bruder Stefan Kunnert,

    Sehr spannend empfinde ich das zweite Gedicht.
    Raum um Raum zu durchschreiten. Welche Räume sind gefragt?
    Welche zeitlichen Dekaden wurden gemeint?

    Ich, Schwester einer femininen Loge denke, dass es an der Zeit wäre, die Brüder zu mehr Gesprächsbereitschaft und konstruktivem Zusammenwirken zu ermuntern. Ich sehe, höre und lese, dass die Tendenzen positiv sind. Jedoch fühle ich manchesmal eine noch große Zögerlichkeit. Begründet mit den engen Vorgaben der englischen Großloge, oder mit den Strukturen der einzelnen deutschen maskulinen Obödienzen. Manchesmal auch mit persönlichen Vorbehalten von Brüdern, die egal warum auch immer, negative Gedanken gegenüber femininen Freimaurerinnen hegen.
    Es gibt Obödienzen in Europa in denen ich wesentlich offener und positiver aufgenommen und gehört wurde. Ich habe bereits Brüder kennengelernt in Europa die Schwester Meisterinnen an ihren TA´s teilnehmen lassen. Dies gilt jedoch genauso für die femininen Obödienzen. Auch hier spüre ich, höre ich, sehe ich Bedenken gegenüber den Brüdern.
    Hier bei uns wird es einer sehr großen Anstrengung bedürfen, die Räume zu weiten und zu durchschreiten. Ich gehöre zu den Schwestern Meisterinnen, die keine Gelegenheit auslassen, mit Brüdern aller Obödienzen ins Gespräch zu kommen und auch daran weiterzuarbeiten. So konnte ich schon viele Brüder aus Europa persönlich kennenlernen und auch Schwestern, die wie ich der Meinung sind, dass es höchste Zeit ist, aus dem eigenen kleinen Orient herauszutreten, sprich Räume zu durchschreiten, und mit der Weltbruderkette und Weltschwesterkette gemeinsam für eine bessere, nachhaltigere Zukunft zu arbeiten.
    Es liegt an uns allen und an Jedem oder Jeder selbst, diesem erstrebenswerten Idealziel Schritt für Schritt näher zu kommen.
    Das neue Jahr bietet dafür neue Gelegenheiten und Chancen. Packen wir sie an.

    In diesem Sinne wünsche ich uns Allen ein erfolgreiches Jahr 2023

    Schwester Gabriele Breier ( Sekretärin )
    Loge: Drei Säulen i. Z. d. Silberdistel im Verbund der FGLD

  2. Liebe Brüder…,
    ..eine jede Zeit zwingt uns ständig zur Neubestimmung der eigenen Positionierung; immer schneller denn je –
    ..und was gestern noch undenkbar erschien, kann heute schon bittere Realität sein!
    Nur…, dürfen wir uns nicht darin verlieren; dürfen wir uns auch nicht verleiten lassen, zu schnell zu urteilen, zu schnell einer “Wahrheit” zu folgen, die sich im Nachgang als “Trugschluß” erweisen könnte..!
    “Wahrheit” ist in der breiten Öffentlichkeit zu einem beinahe unendlich dehnbareren Begriff mutiert, wirkt oftmals beinahe “abstrakt”!
    Aber bedenkt liebe Brüder; es kann keine “mehrfachen” Wahrheiten geben – Wahrheit war, ist und bleibt Singulär!
    Diese Zeit erfordert von Jedem von uns mehr Anstrengung; oftmals Rückbesinnung aufs Wesentliche – mehr Arbeit am eigenen Stein – und vor Allem: Standfestigkeit im Glauben an das Licht!
    Wir müssen wieder lernen, Hilfe und Hoffnung dort versuchen zu vermitteln, wo sie wirklich gebraucht wird (und sich nicht dazu verleiten lassen – in einer Art Wettbewerb – vorbehaltlos in die, in der breiten Öffentlichkeit vorgegebenen Wege einzureihen…)!
    Für die “Multipräsenz” reicht heute nicht immer die Energie und Kraft eines jeden Bruders!
    Dies wird besonders bei den Nachwirkungen der Flut-Katastrophe vom Ahrtal sichtbar –
    ..(vor-)gestern noch in aller Munde, heute beinahe vergessen oder verdrängt, überlagert, durch hunderte neue “Katastrophen” überall auf der Welt – quasi unbewußt “überschrieben”..!
    ..und so möge Jeder von uns sich fragen; wer tatsächlich sein “Nächster” ist; zuerst “den Blick” in seinem eigenen Kreisen schweifen lassen; dort, wo Hilfe und Hoffnung oftmals notwendiger sind, als an den fernsten Stellen der Welt!
    ..hierbei darf auch kein “Wettbewerb der Notleidenden” entstehen – Not ist Wahrheit – und oftmals bittere Realität!
    Viele von uns muten sich diesbezüglich viel zu viel zu & übersehen dabei oftmals ihre eigene leise Not und Sorgen, die der Familie, Brüder, Schwestern, Freunden, Kollegen oder Mitarbeitern, die der Nachbarn und der Menschen am Straßenrand…!
    Ist es nicht auch mal an der Zeit, kurz inne zu halten, und den Blick um uns herum auf uns wirken zu lassen?
    Ich sah vor kurzem im Netz ein Sinnbild eines mit Laub bedeckten Weges im Park – daneben stand:
    “Der Zustand eines Weges ist keine Frage der Straßenreinigung, sondern der Kultiviertheit der Bevölkerung..!”
    Ich wünsche mir für 2023, daß wir Alle “unsere Wege im Park” ein wenig besser im Auge behalten!
    Laßt uns gemeinsam – und Jeder in seinem Kreis – stärker dafür wirken, daß andere Menschen diese – oftmals versteckten und stillen – Wege als Hoffnung annehmen – sie nicht nur zum Verweilen und “Auftanken” nutzen -, sondern versuchen wir ihnen die Kraft zu geben, aus ihnen neue Impulse in viele neue Richtungen erwachsen zu lassen…!

    In tiefer Demut und Brüderlichkeit Grüße ich Euch..

    Sammy Tosuner
    (Bruder ohne Schurz)

  3. Viele Grüße an die Freimaurer,

    wir leben in einer Zeit zunehmender Totalitarismus, der sämtliche Staaten erfasst, demokratische und totalitäre Staaten zugleich.
    Das Gleichgewicht der Macht zwischen feien Bürgern und Herrschenden kippt immer mehr in Richtung Staat.
    Der schmale Grad, zwischen dem, was gesagt werden darf und was staatliche Erziehungsmaßnahmen herausfordert, wird immer enger.
    Die Pandemie hat uns gezeigt, wie augenblicklich auch die freie Presse zum Sprachrohr staatlicher Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie wurde.
    Sie hat uns gezeigt, wie viel sozialer Sadismus in uns allen steckt.
    Wissenschaftler, Künstler und Bürger, die aufbegehrten gegen die Maßnahmen wurden mit staatlicher Härte gemaßregelt und an den Pranger gestellt.
    Wir werden uns am Ende der Pandemie viel zu verzeihen haben, diese Worte von Jens Spahn haben eine ungeahnte Tiefe.

    Das Gute an dieser Zeit ist, dass die Maske des Totalitarismus gefallen ist und nun wir frei darauf blicken können,
    wie weit sich der Schatten des Krieges schon über Europa ausgebreitet und unsere Gesellschaft unterwandert hat.

    Jetzt gilt es die richtigen Entscheidungen zu treffen und der Herrschaft des machiavellistischen Denkens Einhalt zu gebieten.

    Um es mit Shakespeare zu sagen:
    King Lear, 5. Akt, 3. Szene, Albany:
    Lasst uns der trüben Zeit gehorchend klagen, nicht was sich ziemt, nur was wir fühlen sagen!

    Mit herzlichen Grüßen
    Stefan Joost

  4. Wir sollen “…… heiter Raum um Raum durchschreiten” und bedenken, dass “….nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.“
    Ja, die Freimaurerei hat schon einige Räume durchschritten – nicht immer heiter.
    Jetzt ist die Zeit, in der wir zum Aufbruch zu neuen Räumen bereit sein sollten und nicht weiter an “alten Traditionen”, deren Inhalt viele (nicht mehr) kennen, festhalten.
    Obedienzenstreitigkeiten, die eine echte Weltbruderkette oft verhindern, sollten künftig nicht mehr stattfinden und als Aufbruch zu neuen Räumen begriffen und realisiert werden.
    Wenn die Freimaurerei im deutschsprachigen Raum das schafft, was in England geschafft wurde, Frauen als >richtige Freimaurer< mit allen Rechten und Pflichten anzuerkennen, dann sehe ich das, was Hermann Hesse mit "Stufen" anregte, als Zukunftsperspektive für eine der besten Menschheitsideen, für die Freimaurerei, als Chance für die Vollendung des Tempel der Humanität.

  5. Vielen Dank für die Erinnerung an diese weisen Grundsätze.
    Sie zeigen uns genau, wie wir uns in diesen etwas rauhen Zeiten verhalten können, damit Erfolg haben und hoffnungsvoll in das Neue Jahr starten.
    Jeder hat es in seiner Hand.
    Ich wünsche allen Brüdern ein zufriedenes Neues Jahr.
    Br. Günter Schmitz.
    Lodge Niederrhein
    Düsseldorf

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