Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD)

Tempeleinweihung in Flensburg

Ein emotionales Wochenende erlebten die Brüder der Loge „Leuchte im Norden“ am 10. und 11. Januar 2020 – und damit wurde ein Jahr harter Arbeit nun endlich belohnt.

Gelesen von Hasso Henke

Foto: © spaxlax / Adobe Stock

Ob administrative Schreibarbeit und Abstimmung mit Behörden oder praktische, handwerkliche Maurerei im wahrsten Sinne, die Brüder der Bauhütte im höchsten deutschen Norden haben viel geleistet, um nun endlich in dem Gebäude in der Westerallee 8 ein neues Zuhause zu finden. Emotional war jenes Wochenende insbesondere deshalb, weil bei der Begeisterung für den Neuanfang auch immer noch ein klein wenig Wehmut bei der Erinnerung an das altwürdige Logenhaus im Nordergraben mitschwang. Aber wie so oft im Leben, muss man sich von Liebgewonnenem trennen, wenn neue Perspektiven sich öffnen.

Zu diesem besonderen Anlass reisten Großmeister Br. Stephan Roth-Kleyer und Großzeremonienmeister Br. Peter Lauber nach Flensburg, um den Tempel nach alter maurerischer Tradition mit einer Arbeit einzuweihen. Als Gastredner konnte Br. Ekhart Wycik gewonnen werden, der eine Zeichnung mit dem Titel „Die Gesellschaft, die Angst – und ich?“ zur gelebten Freimaurerei auflegte, die noch lange in den Gesprächen an der weißen Tafel nachhallte. Mit einem Plädoyer für mehr Menschlichkeit, Kultur und Mut wies der Redner warnend darauf hin, dass, wo Angsthasen sind, auch die Bauernfänger nicht weit seien. Und er führte mit Blick auf den mündigen Bürger aus: „Angst kommt von Enge. Kultur ist grenzenlos. Sie hat nichts zu tun mit Sprachbarrieren und Staatsgrenzen. Kultur ist Respekt, Miteinander, Toleranz und gelebte Menschlichkeit.“

Bereits am Vorabend wurden die Räumlichkeiten unter Anwesenheit zahlreicher Vertreter aus Kultur und Politik Flensburgs eröffnet. Gastgeber war der gemeinnützige Verein „Zur Humanität e.V.“, der eigens im April des vergangenen Jahres gegründet wurde, um als Logenhausverein das Bindeglied zwischen Vermieter und Loge zu bilden.

Wie Br. Thomas Groeters als Vorsitzender bei seiner Begrüßung erläuterte, verfolgt der Verein das Ziel, das bürgerliche Engagement zugunsten mildtätiger und kultureller Zwecke zu fördern. „Uns geht es gänzlich uneigennützig darum, in diesen turbulenten Zeiten wachsender Intoleranz, verschleiernder Anonymität und unsachlicher Diskussionen all denen ein Gegenangebot zu machen, die sich der Toleranz, Menschenliebe und Humanität in unserer Gesellschaft verpflichtet fühlen. Unser Verein sieht sich in der Tradition der Aufklärung und möchte den Menschen, das Menschliche, ja die Humanität wieder in den Fokus rücken. Dabei geht es eben nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger am Platzrand zu stehen und zu kommentieren, sondern ganz praktisch zu handeln. Es ist an uns, den gesellschaftlichen Fortschritt entweder in die Hände aufgeklärter Menschen zu legen oder ihn denen zu überlassen, die sich vereinfachenden Parolen und kurzfristiger Lösungsversprechen hingeben.“ Dies bedürfe, so Br. Thomas Groeters, eines Ortes, an dem dies angeboten werden kann. Dieser Ort seien nun der Verein und das Logenhaus. Hier sollen Menschen, die der Kitt unserer Gesellschaft seien, zusammengebracht werden, indem kulturelle Angebote gemacht, regionale und überregionale Projekte gefördert und bedürftige Einzelpersonen unterstützt werden. In diesem Sinne sei der Verein eine aktive Begegnungsstätte für Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen und sozialer oder politischer Herkunft.

Mit dem Einzug der Loge „Leuchte im Norden“ ist die im Jahre 1923 erbaute wunderschöne Stadtvilla nun aus dem Dornröschenschlaf erwacht und zu einem Ort der Menschlichkeit und Brüderlichkeit geworden. Die Brüder bedanken sich bei der Großloge A.F.u.A.M.v.D. für die Unterstützung und freuen sich auf jeden Bruder, der einen Abstecher in den hohen Norden mit einem Besuch der Flensburger Loge verknüpft.

Dieser Beitrag stammt aus dem Heft 3-2020 der HUMANITÄT, dem deutschen Freimaurer-Magazin. Das Heft kann bei der Kanzlei abonniert werden.

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