Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD)

Verbotene Worte

Verbotene Worte

Archaische Tabus als Symbole in der Freimaurerei

Erna Maria Trubel

Erschienen im Salier-Verlag, Leipzig

247 Seiten, gebundenes Buch, ISBN 978-3-96285-047-0, 26,00 €

Die Autorin beginnt ihr Buch mit einer hübschen aschkenatischen Legende, die von einem heiligen Mann handelt, der sich an eine bestimmte Stelle im Wald begab, um zu meditieren, Feuer anzuzünden und zu beten, dass das Unglück von der Welt gewendet werde. Einige Zeit später ging einer seiner Schüler ebenfalls dorthin, aber er wusste das Feuer nicht anzuzünden, und so betete er nur. Wieder einige Zeit später hatte der nächste das Gebet vergessen und wusste das Feuer nicht anzuzünden; immerhin war er in der Lage, die geheime Stelle um Wald zu finden. Und nach weiteren Jahren sagte ein Schüler" Ich kann das Feuer nicht anzünden, ich kenne das Gebet nicht und nicht die Stelle im Wald. Alles, was ich tun kann, ist, die Geschichte zu erzählen.

So ähnlich geht es uns mit Tabus. Wir kennen eigentlich nur noch gesellschaftliche Tabus in Form stillschweigender Regeln. Dabei lernen wir in diesem Buch, wie viele Tabus in uns allen wohlbekannten Sprichwörtern und Redewendungen bis heute überlebt haben. Noch interessanter ist die Geschichte der Tabus, ihre Hintergründe, Entstehungen und Wandlungen. Und noch spannender ist es, wie das teilweise bewusste Nutzen und Aufbrechen von Tabus Eingang in die Freimaurerei gefunden hat.

Wir haben einen weiten Bogen geschlagen, vom Tabu des Schmiedes und des Hinkens über ausgestoßene, tabuisierte Gestalten mythologischer und biblischer Legenden bis zu Tubal-Kain. Diesen virtuosen Beherrscher der Elemente und autonomen, evolutionären Tatmenschen haben die Freimaurer in ihr Ritual aufgenommen. Ein Abkömmling der von Gott verstoßenen Kainiten wurde zu einer Chiffre auf der Suche nach Wahrheit und Veredelung.

"Schmied als Tabu", Seite 73

Zum besseren Verständnis führt die Autorin Erna Maria Trubel im Kapitel "Tabu – ein Begriff ohne Worte" in die Entstehung und Bedeutung des Wortes ein, die vielschichtiger ist als im Allgemeinen verstanden. Und dann geht es um Freimaurerei. Zwölf in der Freimaurerei verwendete wichtige Begriffe werden auf ihre tabuisierten Hintergründe untersucht und warum und in welcher Form die Freimaurer sich dieser Tabus angenommen haben. Feuer, Metall, Schmied, Sonne und Mond, Knoten, Schlange, Biene, Wolf, Pentagramm, Akazie, Westen sowie der Tod werden umfänglich und kenntnisreich nach Herkunft und Interessenlage erläutert und gedeutet und im Anschluss in den Kontext der Freimaurerei und oft genug "der Freimaurereien" einsortiert.

Der Blick zum Himmel war auch immer ein Blick nach innen. Die symbolische Wahrnehmung und Betrachtung dieser einst von der Kirche tabuisierten Gestirne im Tempel erlaubt es dem Freimaurer, unabhängig von Kultur und Religion zu eigener Interpretation zu finden und diese Suche wieder in einen Weg zu sich selbst zu verwandeln.

"Sonne und Mond als Tabu", Seite 98

Jedes Kapitel ist ungemein aufschlussreich und dennoch flüssig zu lesen und zu verstehen. Interessant für mich war dabei der Eindruck, dass Freimaurer im Laufe der Jahrhunderte ganz bewusst Tabus in ihre Rituale aufgenommen haben, als bedeutsame Themen, über die aus verschiedenen Interessenlagen, häufig religiös motivierten, nicht gesprochen werden sollte.

"Wenig bekannt ist, wie viele tabuisierte Worte und Handlungen sinnstiftend und neu interpretiert in den Ritualen und Symbolen der Freimaurerei ihren festen Platz gefunden haben. Diese bisher unerforschten Quellen masonischer Symbolik eröffnen überraschende Einsichten und ein tieferes Verständnis der Rituale, was Freigeister, Freimaurer und Forschernaturen gleichermaßen erfreuen wird", so die wohl zutreffende Beschreibung im Klappentext.

Der Ouroboros, dieses Symbol der Vereinigung von Gegensätzen, hat einen festen Platz in der Freimaurerei. [...] Ohne religiöse Heilserwartung entspringt jedem Ende stets ein neuer Anfang, jeder Abschluss erfordert einen Neubeginn, analog zu Lemniskate in der Knotenschnur. [...] Als masonisches Symbol im Meistergrad steht der Ouroboros für die wohl größte und komplexeste Lebensaufgabe, die jeder Mensch für sich selbst zu bewältigen hat. Den eigenen Tod zu überwinden und durch Worte und Taten im anderen weiterzuleben.

"Schlange als Tabu", Seite 133 und 135

Für Menschen, die etwas über Tabus erfahren möchten, ein interessantes Buch. Wer die Freimaurerei, insbesondere ihre Rituale und Symbole, besser verstehen und schätzen möchte, dem sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt.

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