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Wie stark ist die Gemeinschaft!

© anncapictures – pixabay.com

Von Ralf Bernd Herden


Zur Situation der Brüder in Krisenzeiten

Es ist nichts mehr, wie es einmal war. Ob allein Corona und der Krieg in der Ukraine daran schuld sind, sei dahingestellt. Vermutlich nicht. Vermutlich bricht gesellschaftlich nur hervor, was im stillen Hintergrund schon lange vor sich hingedümpelt hat. Bleibt abzuwarten, wohin die Reise geht. Und ist in uns (Ich oder Ego), um uns (Familie, Loge, Gesellschaft, Staat) und über uns (wiederum wie das Ego eine höchstpersönliche Frage) zu sehen.

Nein, eine große Dosis Moralin hilft uns nicht weiter. Auf diese ergebnislose Anwendung verstehen sich viele andere, gleich welcher Couleur, erwiesenermaßen besser. Nein, es geht mir auch nicht um politische Besserwisserei — bin ich doch auch selbst in den letzten Monaten irgendwie ratlos geworden. Vermeintlich Verlässliches ist schwankend geworden, wir finden weniger den Fels in der Brandung, als wir die in ihrer Erscheinung ständig wechselnde Wanderdüne betrachten. Unruhig ist man geworden. Und gerade deshalb brauchen wir praktische Lösungen. Lösungen, die uns den Weg zu Stärke, Weisheit und Schönheit weisen können. Lösungen, bei denen wir wachsam und achtsam sind — für uns, unsere Familien und unsere Brüder.

Es gibt Brüder, die verärgert oder zumindest getroffen sind, weil sie sich in der Loge allein gelassen fühlen: Zu den wohlorganisierten Tempelarbeiten und Bruderabenden kommen nur sehr wenige Brüder. Manchmal können nicht einmal die Beamtenstellen besetzt werden. Da kann vermeintlich vergebliches Engagement zu großer Enttäuschung werden. Geradezu zum Frust.

Es gibt Brüder, die sich von der Loge alleingelassen fühlen. Die weder ein Besuch noch ein Anruf, ja nicht einmal ein regelmäßiger Rundbrief erreicht. Die sich leer und vergessen fühlen. Da ist Schweigen zur Hölle geworden.

Es gibt Brüder, die sich verstört fühlen durch brüderlich-drängende Einladungen. Weil sie eigentlich gerne wieder kommen wollten, bei denen aber oft neben den manchmal weiten Weg auch noch andere Sorgen treten: Familie und Beruf, Gesundheit und Sicherheit. Da kann liebevolles Erinnern zur ungewollten Qual, statt zur gewollten Hilfe werden.

Es gibt Brüder, die vielfach getroffen sind — durch Verluste nächster Angehöriger, durch die manchmal hilflose Agonie in den Logen, durch katastrophale und existenzvernichtende, wirtschaftliche Folgen der gegenwärtigen Situation — und der ungewissen Zukunft.

Corona hat eigentlich als Gesprächsstoff in der Loge so viel verloren, wie Politik oder Religion. Die Themen bergen bekanntermaßen die Gefahr der Spaltung in sich. Oder der Überheblichkeit: „Ei ja! — Da bin ich wirklich froh! Denn, Gott sei Dank! Ich bin nicht so!“, um es mit Wilhelm Busch zu sagen. Mir selbst kam sehr nachdrücklich die Erkenntnis: Die vermeintliche, eigene „Weisheit“ ist nicht derselben letzte Schluss.

Es kann allerdings auch für alle Seiten bereichernd sein, wenn gegensätzliche Meinungen für und gegen die Corona-Maßnahmen sachlich und in Ruhe diskutiert werden. Es ist leider nicht auszuschließen, dass die Pandemie eben nicht vorbei ist. Wenn alle duldsam und respektvoll sind, ist das kein Problem. An­dern­falls wird es ganz sicher zum Problem.

Nicht nur Friseure, Gastro­­no­­­men (auch Lo­gen­kas­­tel­la­ne!) und Physiothera­peuten kämpfen noch immer um ihre Existenz. Es liegt an uns, die wir vielleicht nicht so schwer von dieser Last betroffen sind: Einmal mehr (oder überhaupt mal wieder!) zum Friseur gehen, sich eine Vesper oder ein Gläschen beim Kastellan oder im örtlichen Gasthof gönnen — beim Buchhändler Lesestoff (bevorzugt Freimaurerliteratur!) kaufen — und die freimaurerische Grundausstattung überprüfen, Bekleidung, Ritualgegenstände ergänzen. Dabei vor allem auch an unsere Brüder hier in unseren Logen denken, deren Geschäfte darniedergelegen und sich noch immer nicht wieder erholt haben. Wenn wir deren Geschäfte nicht unterstützen, haben wir bald keine eigenen und zuverlässigen Bezugsquellen für freimaurerische Gebrauchsgüter mehr. Auch dies wäre ein großer Verlust.

Niemand weiß, was die Zukunft bringen wird. Aber jeder kann helfen, sie möglichst positiv zu gestalten. Vorausschauend mitdenken, vorausschauend handeln sind gefordert, heute mehr denn je.

Ich danke den engagierten, den isolierten, den belasteten, den betroffenen, den nachdenklichen und kritischen Brüdern – und unter ihnen vor allem den tapferen und zuversichtlichen Brüdern. Es gilt, zu handeln. Jeder, wie er es kann und jeder in Achtung und Respekt vor den anderen Brüdern.
Es gibt Brüder, die sich auch aus den obigen Gründen schon auf den Weg gemacht haben. Den Weg des neuen Gestaltens und Erfahrens. Das soll, so wünschen wir uns aufrichtig, für jeden von ihnen nur von positiver Natur sein. Und letztendlich hoffentlich auch für unsere Logen, unsere Bruderschaft. Bedenken wir: So schwach ist der Einzelne, so stark ist die Gemeinschaft. Oder: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Reichen wir uns vertrauensvoll die Hand. Zumindest im Geiste. Jeder handle nach seinen Kräften und Fähigkeiten. Lasst uns ans Werk gehen. Dafür ist immer die richtige Zeit.