Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD)

Greifbarer Arbeitsteppich für blinde Brüder

Brüder benötigen Spenden für ein Relief mit Freimaurer-Symbolik

Der Arbeitsteppich mit seiner reichhaltigen und wertvollen Symbolik ist für alle Freimaurer im Tempel ein sichtbares Zeichen, dass die Loge geöffnet ist und die Brüder zur Arbeit bereit sind. Die Symbole und Werkzeuge darauf geben uns nicht nur einen Bauplan für den „Tempel der Humanität“, sondern sind ein guter Wegweiser für unser Leben.

Doch nicht alle Brüder und Schwestern haben die Möglichkeit, diese sichtbaren Zeichen unserer Königlichen Kunst sinnlich zu erfassen und mit den eigenen Augen wahrzunehmen. Brüder und Schwestern mit Sehbehinderungen müssen auf andere Art ihre Umwelt begreifen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Um ihnen zu ermöglichen, den Arbeitsteppich zu ertasten und damit erfahrbar zu machen, haben die Brüder Frank von Wartensee und Jens Rusch eine dreidimensionale Arbeitstafel in Miniaturform entworfen. Dieses haptische Modell im A3-Format soll als Aluminium- oder Kunststoffguss den interessierten Logen zur Verfügung gestellt werden. „Blinde Brüder können diese Tafeln dann während der Teppicherklärungen, bei Instruktionen oder Tempelarbeiten auf dem Schoß stereognostisch tastend nutzen, um sich ihr Bild vor das innere Auge zu holen“, erklärt Bruder Alexander Walter, der das Projekt als Betroffener begleitet. „Die Herausforderung als blinder Mensch im Ritual — andere blinde Menschen mögen dies anders empfinden — besteht für mich darin, die große Menge an visuellen Stimuli, die dargeboten werden, vor dem inneren Auge präsent zu halten. Jedes einzelne Element, das sich in den Gesamtkontext ‚Bild des Tempels‘ einfügt, kostet Energie in Form von Vorstellungskraft. Damit auch Konzentration, Fokussierung, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.“ Bruder Alexander Walter ist Redner der Loge „Friedrich zur Vaterlandsliebe“ in Koblenz. Für die „Humanität“ schrieb er den vielbeachteten Beitrag „Freimaurerei begreifen — Ein blinder Blick auf die Königliche Kunst“ (Humanität Nr. 1/2019).

Die Vorlage für die Relief-Tafel bildet ein Ölgemälde von Br. Jens Rusch, das wiederum den in den AFuAM-Logen gebräuchlichen Arbeitsteppich zur Grundlage hat. Br. Frank von Wartensee, von Beruf Steinbildhauer, schuf daraus ein Relief aus Sandstein, von dem die Gussformen abgenommen werden können.

Für die Gestaltung, den Entwurf und das Experimentieren mit Materialien, Formen und Werkzeugen erwarten die Künstler, die das Projekt vorangebracht und diese wertvolle Arbeit geleistet haben, keinen Lohn. Doch die Gussausführung verursacht Kosten, die nur die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern schultern kann. Spenden sollen bei der Refinanzierung des Projektes helfen, aber auch möglicherweise der Verkauf von Miniatur-Bronzetafeln für die heimische Vitrine.

„Ich freue mich auf die Möglichkeit, den Teppich auf diese Art zu begreifen“, so Bruder Alexander Walter. „Im Ritual via verbum visualisieren und per künstlerisch gestaltetem Modell gleichzeitig zu haptialisieren, wird sicherlich eine wunderbare Erfahrung. Die Arbeitstafeln werden eine Hilfe für blinde Brüder sein, da bin ich sicher. Auf das Ergebnis bin ich gespannt.“

Auf der Internet-Seite www.freimaurer-wiki.de/index.php/Relief-Arbeitstafel lassen sich der Fortschritt des Projektes verfolgen und die Spendenmöglichkeiten aufrufen.

Dieser Beitrag stammt aus dem Heft 2-2022 der HUMANITÄT, dem deutschen Freimaurer-Magazin. Das Heft kann bei der Kanzlei abonniert werden.

Eine Antwort

  1. Ich bedanke mich für die empathievolle Vorstellung unserer Bemühungen. Allen bisherigen Spendern gilt ebenfalls unser gemeinsamer Dank. Wir denken, dadurch einen sehr sinnvollen Beitrag zur Inklusions-Arbeit unserer Logen leisten zu können.

    Bruder Jens Rusch

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