FREIMAURERLOGE "AUGUSTA ZUM GOLDENEN ZIRKEL"
Die Loge "Augusta zu den drei Flammen"

Anfang des Jahres 1765 beginnt in Göttingen wieder eine rege Logentätigkeit, indem eine Loge mit dem Namen „Augusta zu den drei Flammen” durch Br. Wacker am 24.06. gegründet wird. Diese Loge gehört der Lehrart der schon erwähnten „Strikten Observanz” unter der Matrikelnummer 43 an, deren Wurzeln in der französischen Freimaurerei zu finden sind. Im Gegensatz zu den bisherigen Logen, die ihre Herkunft von den mittelalterlichen Dombauhütten ableiten, sieht sich die „Strikte Observanz” als Fortsetzung des weltlich-ritterlichen Teiles des 1314 aufgelösten Templerordens, was den Logen dieser Lehrart bis 1782 zu einer großen Attraktivität gegenüber den „herkömmlichen” Logen verhilft.

Wacker gelingt es in Verbindung mit dem ehemaligen Meister vom Stuhl der Loge „Friedrich”, Hofrat und Professor Georg Ludwig Böhmer, diese Neugründung in Göttingen so zu festigen, daß die Loge 1779 über insgesamt 87 Mitglieder, davon 18 Adelige und 69 Bürgerliche, verfügt.

Während der 14-jährigen Amtszeit als Meister vom Stuhl ist Wacker außerordentlich aktiv und gründet in Kassel sowie Bad Pyrmont zwei neue Logen.

Das Bijou der „Augusta zu den drei Flammen” war ein Dreieck, in dem ein großes „A” mit drei Flammen dargestellt ist.
Die Arbeiten der Loge finden von 1765 bis 1770 in der Anfang des 14. Jahrhunderts errichteten „Kommende” statt, dann von 1770 bis 1790 in der Weender Straße in der Gastwirtschaft „Zur Krone” (siehe Übersicht „Logen-Häuser”), deren Besitzer Wacker, seit 1766 aufgrund erheblicher Protektionen aus Hannover und beachtlicher steuerlicher Erleichterungen, war.
1779 wird Wacker - nicht zuletzt wegen dubioser Führung der Logenfinanzen - von Benjamin Koppe als Meister vom Stuhl abgelöst, der an der Georgia Augusta seit 1776 als Professor der Theologie, besonders auf dem Gebiet der alt- und neutestamentlichen Exegese, wirkte und unter anderem ein christliches Gesangbuch zum Gebrauch in der Universitätskirche herausgab.

 


1779 wird Wacker - nicht zuletzt wegen dubioser Führung der Logenfinanzen - von Benjamin Koppe als Meister vom Stuhl abgelöst, der an der Georgia Augusta seit 1776 als Professor der Theologie, besonders auf dem Gebiet der alt- und neutestamentlichen Exegese, wirkte und unter anderem ein christliches Gesangbuch zum Gebrauch in der Universitätskirche herausgab.

Die Amtszeit von Koppe als Meister vom Stuhl bis 1784 war für die Loge „Augusta zu den drei Flammen” ein Glücksfall, denn es beginnt eine allerdings nur wenige Jahre dauernde Blüte, die sich auch in einer steigenden Mitgliederzahl bemerkbar macht, wobei es sich überwiegend um Studenten und junge Gelehrte handelte, denen Koppe den Eintritt in die Loge gegenüber den studentischen Orden und Geheimverbindungen anrät. Koppe sieht den Schwerpunkt seiner Aufgabe in der erzieherischen Beeinflussung - gewissermaßen als Mentor - der jungen Brüder, unter denen eine Reihe noch heute berühmter Namen zu finden sind: Profes­sor Johann Beckmann, Professor der Ökonomie und Begründer der Technologie, Christian Heinrich Boie, Herausgeber des ersten geschichtlich bedeutungsvollen Deutschen Musenalmanachs, Johann Dominik Fiorillo, ein bemerkenswerter Maler und Kunst­historiker, C.A. Fürst von Hardenberg, 1810 preußischer Staats­kanzler, Professor der Medizin Christoph Wilhelm Hufeland, Arzt und medizinischer Schriftsteller, Professor der Theologie Heinrich Philipp Sexroth, Pastor an der Albanikirche.


In die Amtszeit von Koppe fällt auch die Abwendung von dem System der „Strikten Observanz”, die dann letztlich 1782, nach dem Konvent von Wilhelmsbad, ganz aufgegeben wurde.
Koppe gelingt in Gemeinsamkeit mit den Brüdern seiner Loge eine bedeutsame Handlung der Wohltätigkeit, indem die erste Chirurgische Klinik in Göttingen 1771 errichtet und bis 1809 betrieben wurde. Dazu wurde für 2.000 Reichstaler das Wohn­haus Nr. 606 am Geismartor, dem späteren „Frankfurter Hof”, erworben, in dem bis dahin der Essigbrauer Johann Daniel Ruperti eine Gastwirtschaft „Zu den sieben Türmen” betrieben hatte.


Die Hannoversche Regierung zahlte für das Gebäude jährlich 80 Reichstaler Pacht, die Loge ihrerseits gewährte jedes Jahr einen Zuschuß von 250 Reichstalern. Das Krankenhaus verfügte über 15 Betten und beherbergte von 1781 bis zum Dezember 1787 insgesamt 667 Kranke, von denen nur 44 verstarben. Zusätzlich diente es auch der ärztlichen Unterweisung der Medizinstudenten und der Ausbildung von Theologen in Pastoralübungen. Heute befindet sich auf dem Grundstück am Geismarer Tor die Volks­bank.


Als Hospitalarzt wirkte unter der Oberleitung des bekannten Chirurgen August Gottlob Richter - dem späteren Meister vom Stuhl der Loge - zuerst der Freimaurer und Sohn des Hofrates Böhmer, Dr. Franz Wilhelm Böhmer, der erste Ehemann der be­rühmt gewordenen Caroline Michaelis (2. Ehe mit dem Roman­tiker A.W. von Schlegel 1796, 3. Ehe mit dem Philosophen J. von Schelling 1803).


Mit dem Weggang von Br. Koppe, der 1784 als Generalsuper­intendent nach Gotha und 1788 in gleicher Stellung nach Hannover übersiedelte, dort aber schon 1791 im Alter von nur 41 Jahren verstarb, war die Blütezeit der „Augusta zu den drei Flammen” zu Ende. Nachfolger wurde von 1784 bis 1785 der neugewählte Meister vom Stuhl Ludwig Timotheus Spittler, der als Historiker und Publizist an der Universität lehrte und später, 1806 als Kanzler der Tübinger Universität in den Freiherren­stand erhoben, württembergischer Staatsminister wurde.


Nach kurzer Amtsführung durch August Gottlob Richter, dem Leiter des „Freimaurerkrankenhauses”, von 1786 bis 1788 führte Spittler von 1789 bis 1793 ein zweites Mal den ersten Hammer der Loge. In diese Amtsperiode fällt auch 1790 die letzte große Tat der „Augusta zu den drei Flammen”, nämlich der Erwerb von „Wackers Garten” mit dem darauf befindlichen Gartenhaus auf dem Gelände der heutigen Stadthalle für 4.500 Reichstaler (s. Übersicht „Logen-Häuser”).


Bei dem Gebäude handelte es sich um die 1752 gebaute ur­sprüng­liche Kommißbrot-Bäckerei vor dem Albanitor, das 1770 vom Magistrat für 800 Taler angekauft, dann an Dr. med. Poly­karb Erxleben als erstes Veterinärhospital vermietet worden war, bevor schließlich im Jahr 1776 Br. Wacker den Besitz für 900 Taler vom Magistrat erwarb.


Nach dem Tod von Wacker im Jahr 1791 wird die Wirtschaft zu­nächst von dem Professor der Medizin Stromeyer übernommen, bis dieser sie für 3.500 Taler im Jahr 1794 an den Billardeur Johann Heinrich Ulrich verkauft. Billardspielen ist zu der damaligen Zeit den Glücksspielen zugeordnet und daher innerhalb des Walles verboten. „Ulrichs Garten” wird auf diese Art zum belieb­testen Ausflugslokal Göttingens unmittelbar vor dem Stadttor.


1814 schließlich kauft Dietrich Christian von Sehlen, ehemaliger Offizier in Napoleonischen Diensten, das Lokal, das dann von 1859 bis 1890 von seiner Tochter Luise Marwedel weitergeführt wird.

Nach zwischenzeitlichen Verwendungen unter dem Namen „Stadtpark”, als Reservelazarett im 1. Weltkrieg und als Som­mertheater wird das ehemalige Logenhaus der „Augusta zu den drei Flammen” im Jahr 1956 abgebrochen, um für den Neubau der Stadthalle Platz zu machen.

Wie schon erwähnt, dauerte die Anwesenheit der Loge in „Wackers Garten” nur bis 1793, denn in diesem Jahr mußte nach 28-jährigem Bestehen die „Augusta zu den drei Flammen” aufgrund der Verordnung durch die Regierung ihre Tätigkeit einstellen und sich auflösen. Einige Jahre danach wird das noch vorhandene Barver­mögen von 5.000 Reichstalern der Regierung zur Verbesserung und Erweiterung des von der Loge gestifteten Krankenhauses am Geismar-Tor zur Verfügung gestellt.

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